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Chaosparty | WEBLOG | Vom anderen Ende der Welt

Not so very nice people in Joburg

sparrow | 04. April 1999, 13:01 | ganz alter Kram

Suedafrikanisches Diario

Letztes Wochenende (wir hatten jenes etwas frueher angefangen, hoehoe. waren wir in Johannesburg. Was fuer eine Stadt. Eigentlich sollte dies jetzt ein begeisterter Bericht werden mit einer genauen Schilderung von Soweto und Mandela's Haus und all den wundervollen, interessanten Menschen, die wir getroffen haben. Leider kam es am letzten Abend etwas anders.

Wir hatten Rabea sicher zum Flughafen gebracht und wollten uns noch schnell am Supermarkt an der Ecke etwas zu essen besorgen. Gesagt, getan und los marschiert.
Etwa zwei Blocks von unserer Jugendherberge entfernt sprach uns ein Knilch an. Richtig gutes Haschisch koennte er uns besorgen.
Sowohl Sindy, als auch mir wird von dem Geruch von Joints kotzuebel, also lehnten wir hoeflich, aber bestimmt ab. Er indes liess nicht locker. Wir sollten uns nur mal anschauen, was er zu bieten habe, sagte er und lief hinter uns her. Bald hatte er aufgeholt. Wieder erklaerten wir ihm, dass wir schon aus Prinzip nicht rauchten und daher auch keine Joints brauchten.
Nun ging er neben uns, waehrend wir unsere Schritte beschleunigten.
"Don't make me mad. I gonna stab you like minced meat."
Ich nahm ihn nicht sonderlich ernst, da er ein eher kleiner Kerl war und schaute ihn verdutzt an. "Why would you want to do that?"
"Cause I need money!"
Wir legten noch einen Zahn zu, waehrend er weiter erzaehlte. Er wuerde uns die Augen ausstechen und wir koennten ruhig schreien. Bevor wir die Ecke erreichten, waeren wir schon tot. Ob wir die Leute dort drueben saehen?
Er zeigte auf eine Gruppe Maenner, die an ein paar Autos lehnten. Die wuerden ihm glatt dabei zugucken, ohne einen Finger zu ruehren.
Nun bekamen wir es doch mit der Angst zu tun. Wir hatten zuviel von dem Johannesburger Strassenleben gehoert, um zu glauben, dass er keine Waffe bei sich hatte. Und ehrlich gesagt hatte auch keine von uns eine Nahkampfausbildung. Nach rascher Verstaendigung beschlossen wir, ihm unser Bargeld auszuhaendigen. Nach der ausfuehrlichen Einkaufstour am Vormittag nur noch 50 Rand, was noch nicht einmal 20 DM sind.
Jetzt nichts wie weg von hier, bevor er doch noch auf die Idee kam, sein Messer zu ziehen. Sindy war bereits zwei Schritte vor mir, als er mich ruede am Kragen packte.
"Gimme your jacket!"
Inzwischen war ich so von der Rolle, dass ich nicht mehr klar denke konnte. Ich schaute ihn nur an und fragte mich, was er mit meiner Jacke wolle, da er doch selber eine schoene habe. Zumal es gar nicht meine war. Lorenz hatte mir seine wunderschoene Lederjacke geliehen.
Ich versuchte ihm das auch sehr vernuenftig zu erklaeren, aber kam nicht zu ihm durch."Take off your jacket, bitch!" zischte er mich an, und riss die Jacke von meinen Schultern. Ich war wie gelaehmt, bis er in seine Tasche griff. Kein Messer. Bitte, bitte kein Messer.
Sindy war inzwischen zurueck gekommen und stand genauso bebend wie ich neben mir. Ich zog die Jacke aus und beobachtete noch, wie er unsere Portemonaies aus unseren Haenden riss und davon lief.
Wir liefen auch. So schnell bin ich in meinem Leben noch nicht gerannt. Dann das uebliche. Kreditkarten sperren lassen, Polizei anrufen, (Die kommt in Johannesburg wegen einem gestohlenen Portemonaie nicht rum. Wenn wir tot gewesen waeren, dann ja.. aber so...) Die Jugendherbergsleute nahmen uns alles aus der Hand. Ich glaube nicht, dass wir noch zu irgendetwas faehig gewesen waeren. Auch das mit der Rechnung konnten wir irgendwie regeln. Jemand fand sich, der in Richtung Norden fahren wollte und uns mitnahm nach Pietersburg. Geld fuer den Bus hatten wir ja keines mehr.
Wenn man es genau betrachtet, haben wir verdammtes Glueck gehabt. Keine von uns ist verletzt. Wir sind nicht vergewaltigt, abgestochen oder getoetet worden. 50 Rand in Cash und eine alte Lederjacke. Dazu Fuehrerschein, Perso, Kreditkarte. Was man halt so in seiner Boerse traegt. Was allerdings bleibt ist der Schock. Das Gefuehl, nur noch zu hause sicher zu sein. Jedem, der einen anschaut, das Schlimmste zu zu trauen.
Ich bin es nicht gewoehnt, mit koerperlicher Gewalt zu irgendetwas gezwungen zu werden. Und ich bin es auch nicht gewoehnt, beschimpft zu werden. Jemanden ernsthaft verletzen kann ich auch nicht. Das sollte ich lernen. Schnellstens.
Gigi hat versprochen, uns so ein Totschlaegerspray zu besorgen. Und gleich, wenn ich nach Deutschland zurueck komme, werde ich einen Selbstverteidigungskurs machen.
Seid so nett, und haltet mir die Daumen.



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