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Taten und Daten der letzten fünf Tage | WEBLOG | Sehnsucht

Dunkelland

sparrow | 21. August 1998, 19:43 | Kolumnen

Manchmal finde ich den Weg nach Dunkelland.
Dort wandere ich still durch einsame Wälder. Tannen stehen dicht an dicht und Unterholz versperrt den Pfad. Ich gehe und schlage, das Gesicht zerkratzt von Brombeersträuchern.
Dunkelland fängt mich auf, streichelt wie ein Liebhaber und höhnt wie der schlimmste Neider. Legt dunkle Samtschatten über die zerschundenen Wangen und flüstert Versprechen, die schon gebrochen sind, während das Echo noch hallt.

Dunkelland kenne ich gut.
Oft wandele ich hier auf einsamen Straßen. Nicht ein Licht erleuchtet die Nacht, doch kenne ich jeden Stein und finde mich, wie ein Schlafwandler. Weiche blind tiefen Traumschluchten aus und bleibe auf den ausgetretenen Wegen.
Schlafend taste ich nach kleinen Steinchen. Schlafend drehe ich sie und untersuche jedes auf Fehler in der Struktur. Jene finde ich in mannigfaltigem Reichtum. So viele Steine.
Zupfe einen spitzen Dorn aus der Fußsohle, wende ihn betrachtend nach links und rechts und stecke ihn behutsam wieder an seinen Platz. Ich würde ihn missen, wäre er nicht da.

In Dunkelland lasse ich Gedanken aufsteigen wie Luftblasen aus düsterem Brunnen. Tiefe Dunkelteiche erschaffen schwarze Seerosen. Der Duft betäubt. Hypnotisiert.
Ich folge dem Parfum der Nacht in Untiefen und Treibsandzweifeln. Ertrinke mit Lächeln auf den Lippen.
In Dunkelland ist das vertraut.



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