Baum

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Was tut man in Hamburg? | WEBLOG | Falsche Freunde

Hamburger Damen

sparrow | 03. Mai 2000, 18:41 | ganz alter Kram

Heute abend an der Ampel: Drei alte Damen in feinen beigen, aprikot und hellgrauen Kostümchen. Die eine: "Ich habe schlecht gesessen." Darauf strich sich die zweite über den Popo und sagte: "Ich auch". Die dritte mit stolzgeschwängerter Stimme: "Ich nicht."
Während ich noch krampfhaft überlegte, was wohl "schlecht gesessen" heißen möge, fügte sie hinzu: "Bei mir wird nie was kraus."
Ah.. Es ging um Knitterfalten in den Jacken der feinen Kostümchen. Weil die Ampel recht lange rot blieb, hatte Dame Nr.3 hinreichend Zeit, über richtiges und falsches Sitzen zu philosophieren und dann auch abschließend vorzuführen, wie man es ordentlich machte. Das war der Moment, wo ich einen Seitenblick riskierte. Die Dame hing mit ausgestrecktem Hintern da, wie ein Anfänger auf Skiern, hielt mit beiden Händen die Jacke eng an die Oberschenkel gepreßt und strahlte mich aus tausend kleinen Lachfältchen an. Ich strahlte zurück.

Das gehört mit zu den Sachen, die ich an Hamburg sehr mag. Über die Leute, die ich abends auf meinem Weg nach Hause treffe, könnte ich ganze Bücher schreiben.
Apropos: Zuhause.. wo ist das eigentlich? Wenn ich über längere Zeit "nach Hause fahre" meine ich immer Unna. Wenn ich von Unna aus nach Stendal fahre, sage ich auch, daß ich "nach Hause fahre". Und wenn ich abends mit der U-Bahn fahre und an der Habichtstraße aussteige, dann komme ich auch nach Hause.
Bin ich jetzt gesegnet oder wurzellos? Solange der Fliederbaum vor meinem Fenster so zauberhaft duftet, ist mir das gleich.

Freitag war spaßig. Daniela hatte mich eingeladen, mit ihr und ihren Freunden zu grillen.
Ich mag Daniela. Manche Leute mit Sicherheit nicht. Großstadtzicke, könnte man sagen. Oder Schickimickitussi. Daniela hat nämlich diverse gravierende Fehler. Erstens ist sie ausgesprochen attraktiv. Sie pflegt sich und zieht sich mit Genuß gut an. Zweitens ist sie intelligent. Drittens weiß sie, was sie will und nimmt kein Blatt vor den Mund. Viertens ist sie kreativ, witzig und gebildet. Und dann ist sie auch noch NETT. Wo käme man denn dahin, wenn alle so wären?
Welch ein Glück, daß mich "Leute" schon seit längerer Zeit nicht interessieren. Ich mag Menschen, aber "Leute" finde ich abstoßend. Der Reim auf "Meute" ist mit Sicherheit kein Zufall.

Gerade habe ich Rabea am Telefon. Sie wollte wissen, wie man Attachments verschickt und sprach immer sehr energisch von Tonline. Ich brauchte eine Weile, bis ich das mit einem hysterischen Kicheranfall quittierte.
Momentan singe ich aber "Ihre Verbindung wird gehalten..Ihre Verbindung...". Manchmal bin ich sehr glücklich, daß ich kein ISDN habe. Wenn bei mir drei Stunden lang besetzt ist, dann ist halt drei Stunden besetzt.
Rabea feuert derweil den PC an, der abstürzte und jetzt einen Scandisk durchführt... Ihre Dialoge mit dem Computer sind wirklich absolut hörspielreif. Ich möchte immer mitschreiben.
Da fällt mir noch folgende wunderbare Begebenheit aus dem Skiurlaub ein, dem ich ja nicht beiwohnen konnte.
Monopoly. Rabea dreht aus Versehen ihre Straßenkarten um. Der kleine Wicht, mit dem sie spielten: "Boah, Rabea. Hast Du schon Hypothesen?"
Anna, sich vor Lachen windend: "Oh.. weißt Du nicht, was Hypothesen sind? Hypothesen sind, wenn man kein Bein mehr hat."
Soviel zum Thema ChaosAnna und die Vorzüge einer gymniasalen Schulbildung.
Ich kann mich eine gewissen Schadenfreude nicht verwehrend. Unneraner wissen warum. :o)



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