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Ein neuer Mohonat ist wie ein neues Leheben | WEBLOG | Zitronenholz?

Liebe und Leiden unter der Brüstung

sparrow | 02. Oktober 1998, 19:48 | Kolumnen

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Der Täter: ein düsterer Gesell mit schwarzer Seele und klebrigen Händen
Das Opfer: eine unschuldige Maid mit einem Herzen aus Gold und eben solchen Locken
Der Melonensaft: fußfälliger Handlanger mit wässerigen Augen und üblem Nachgeschmack

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Szene 1 (Prolog):

auf dem Balkon (Täter, Melonensaft)


Täter: Du bist blaß, Melone.

Melonensaft: Es ist nichts. Nichts. Du bist ja da. Es ist vorüber.

Täter: Gestehe, gestehe! Der Mut verläßt Dich. Bang wird's Dir um Dein Herz. Furcht seh ich in deinem Antlitz schwitzen.

Melonensaft: Wirft sich in die Brust Melone heiß ich! Den Zweifel riß ich aus meinen Gedärmen und nährte meinen Mut vom Blute. Melone!

Täter: beschwichtigend So sei es. Bist Du also denn noch uns´rer Tat treu? Antworte frank und blank, Melone!

Melonensaft: Bin ich denn ein Halm der sich im Winde wiegt? Bin ich denn ein Hund, der schwanzesverkniffen hinterm Herd sich duckt, wenn drauß´ im Wald ein Blitze zuckt? Ein Waschweib gar, furchtsam, ohn´ Stolz? Ha!

Täter: So laß uns nun schreiten zur Mannestat. Ich komme gleich Euch nach. Geh nur voran!


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Szene 2

vom Balkon an abwärts (Opfer, Melonensaft)


[b]Melonensaft:
Nach Jahren der Erniedrigung, der Leiden ein Augenblick der Rache des Triumphs! stürzt sich von der Brüstung

Opfer: Melonensaft nicht bemerkend Wie friedlich doch der Morgen ist. Die Luft ist klar und süß.
Welt, komm an mein Herz. Geliebt seist Du, in Deiner berückenden Pracht.
Breitet die Arme in einer überschwenglichen Geste aus

Melonensaft: Geronimooo!

Opfer: ein Geschrei erhebend Ah! Was traf mich? Von oben kam's ganz plötzlich. Gar schröcklich. Welch Unglück.
Wer war's, der mich so beschmutzte?

Melonensaft: triumphal Melone! Melone auf dem Kleid und sterben! stirbt

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Szene 3

Auf und unter dem Balkon (Opfer, Täter)


Opfer: Oh weh! Mein Kleidchen besudelt von oben bis unten. Was wird der Vater sagen? Und Mutter wird sich meiner grämen. Schlägt die Hände vors Gesicht

Täter: frohlockend von oben herunter So fürcht ich! Dein Kleid wird in der Hölle gewaschen!
zu sich Geglückt der Plan. Der Teufel war uns hold. Singet! Hüpfet! Lose! Leise! Ein Jubeltag ist heut. Der Tag der Rache, der Tag der Vergeltung.

Opfer: So ward ihr es! Ihr! Schurke! Gesteht. Nein, gesteht nicht. Die Beichte, die ihr ablegtet wäre so falsch, wie Eure Tat. Einer unschuldigen Jungfrau aufzulauern! Ist das eines Ehrenmannes würdig? Ha! Eher nennt man die Kerze Sonne, als Euch einen Ehrenmann. Holt Luft

Täter: Ein..

Opfer: ihn unterbrechend Seht! Mein holdes Antlitz ist verklebt, mein Kleidchen, das so rein war, so weiß, so unschuldig...
schluchzt auf Ein Augenweide war ich. Und jetzt? Seht mich an! Elender!
Schmoren mögt ihr in der Hölle, für solche Bosheit. Betet zu Gott. Fleht um Vergebung. Ich sage Euch, es wird nichts nützen. Gott ist ein ehrenhafter Mann. Wird er nicht die Knospen einer Rose eher schützen, als einen Fliegenpilz?
Ihr miserabeles Etwas. Feigling. Versteckt Euch da oben. Pfui, sage ich! Pfui! Spuckt auf den Boden

Täter: zu sich Dornen hat dies Röslein, für wahr. Doch ist sie gar reizend anzusehen in ihrer Empörung. Die Wangen hitzig errötet, das Gold ihres Schopfes in Rage zerzaust. Jede Sünde würde ich begehen, für noch einen Blick aus diesen zornigen blauen Augen.
wendet sich an sie Wie ist Euer Name, holdes Kind, daß ich diese Raserei benennen kann.

Opfer: rot vor Wut Wollt ihr meiner spotten? Das sollt Euch nicht gut bekommen. Die Obrigkeit will ich zu meiner Hilfe rufen. Oder besser noch, ich werde hinaufsteigen und Euren Spott höchstpersönlich in Euren Schlund zurück stopfen.
Meinen Namen will er wissen! Meinen Namen! Nennt mich Furie! Nennt mich Xantippe!
Wieder an sich herunter sehend Mein Kleidchen - Mein Haar - alles dahin, dahin.
Beginnt erneut zu schluchzen

Täter: spöttisch Oh! Seht, wie sie steht und leidet. Seht, wie sie steht und sich kasteit.
Ein wenig Melone auf dem Kleid und schon ist der Untergang nah.

Opfer: resignativ Nichts versteht er. Nichts.

Täter: Nichts versteht ich? Wovon sollt ich nichts verstehen? Leiden?
Schönes, unberührtes Blümchen, wenn Ihr erdulden müßtet, was ich erduldete - längst hätte der Sturm Euch geknickt. Verlacht! Verstoßen! Selbst der Mutterliebe grausam beraubt. Verhöhnt von den Kindern auf der Straße. Belächelt von den Bettlern.
Mein einz'ger Freund war die Melone. Ein Saft zwar und von liederlichem Charakter, aber dennoch ein Freund. Und selbst diesen verlor ich heut. Er opferte sich mir.
Und Ihr jammert über ein beschmutzes Kleidchen.

Opfer: So wagt ihr es, mein Leid zu bemitteln? Wolltet Ihr nicht an fremdem Schmerz Euch weiden, auf daß Eurer eigener gelindert würde?

Täter: Nun, ich dächt, daß ein Weltschmerz mir helfen könnt. Aber Euer Tropfen kann mein Feuer nicht löschen.

Opfer: Ein Feuer, daß gar schrecklich lodert. Und doch war Eure Rechnung falsch.

Täter: Falsch?

Opfer: Ihr könnt ein Feuer nicht mit Feuer ersticken.

Täter: Feuer und Wasser, Feuer und Feuer.

Opfer: So seht Ihr?

Täter: Nein!

Opfer: Euer Vorhaben irrig.

Täter: Feuer gegen Feuer.

Opfer: Das Opfer Eures Freundes umsonst.

Täter: Oh Gott! Fällt auf die Knie Um meinetwillen starb Melone. Für eine Sache, die verloren, noch eh' sie begann. Ein Fehler. Ein grausamer Irrtum.
Beginnt wie wahnsinnig zu lachen

Opfer: zu sich Die arme Seele.

Täter: Mein einz'ger Freund

Opfer: Euer bester Freund. Welch anderer Freund würd' sich opfern? Für Euch blickte er dem Tod ins Auge.

Täter: Lady! Oh Himmel! Was hör ich? Was tat ich? -- schröcklich enthüllt sich mein Frevel mir. Er kann mir nicht mehr vergeben.
schreit Melone! Voll der Reue mein sündiges Herz! Melone, höre mich, höre!
lauscht Melone? Freund? Du? Mir ward, ich hörte Deine Stimme!

Opfer: Ihr redet? Mit wem? zu sich Er ist wirr.

Täter: Nein! Eine Täuschung! Nie kann ich um Vergebung bitten. Nie kann ich mich zu Füßen des einen legen. Hölle, öffne Deine Pforten! Hier kommt ein Sünder. Ein Schlimmster seiner Art.
Stürzt sich von der Brüstung

Opfer: Er nun auch...

Täter: sterbend Ist nun meine Tat gesühnt?

Opfer: Jaja, es ist gut. Gott, Allbarmherziger. Erbarme Dich seiner Seele.

ENDE


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Ich danke für freundliche Unterstützung und produktive Zusammenarbeit:
Herrn Schiller, Herrn Shakespeare, Herrn Lessing,
Herrn Richter (dem ganz besonders) und Herrn Stanisic

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Kommentare

Ralf | 22. Mai 2006, 00:11

Hübsche Geschichte. Was lernen wir daraus?

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