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Der gefallene Engel | WEBLOG | Achterbahn - Jeeeetzt geht es nochmal ruuund hier

Renovierung

sparrow | 21. Januar 1999, 20:24 | ganz alter Kram

In das erste Morgengrauen hinein verklingt mein Bis Bald. Für zehn, zwanzig Minuten warst Du wieder tief in mir.

Eigentlich hatte ich Dir gekündigt. Fristlos. Oder besser: Habe die Koffer, die Du bereits gepackt hattest, vor die Tür gestellt, diese zugezogen und den Schlüssel dreimal umgedreht.
Allein wollte ich sein mit mir. Die Scherben aufkehren und die Kalendersprüche an den Wänden übertünchen. Alles neu machen.

In die Renovierungsarbeiten hinein klingelt das Telefon. Ich quietsche und lache, bin übermütig. Bin, wie Du mich haben möchtest. Streichle Dein schlechtes Gewissen mit: "Schau, es ist gar nicht so schlimm."
All die Sachen, die ich sagen möchte, sage ich nicht. Sage nicht, daß Du mir fehlst. Erzähl Dir nicht von meiner Wut. Kein Wort von tränennassen Kopfkissen. Wir reden nicht darüber, wie schnell aus einem "Ich könnte Dir niemals weh tun" ein "Ich quäl Dich doch nur" wird.
Will keine Erklärungen, keine Entschuldigungen. Habe Angst vor dem Tonfall in Deiner Stimme, der Resignation verrät. Vor dem "Ich konnte nicht anders und es war das Beste so". Es war nicht das Beste. Für mich nicht.

Nicht, daß ich Dich zurück wollte, mein Gott nein. Das zumindest habe ich geschafft. Erst wartete ich auf Dich. Wartete, daß zurück kommen würde, was wir verloren hatten. Daß Du es und Dich wieder finden würdest. Mal voll Verzweifelung, mal voll Zuversicht.
Dann wollte ich kämpfen, tat das auch, bis mir irgendwann auffiel, daß es nichts mehr gab, für das ich kämpfen konnte. Ich, ein kitschiger, tränenverschmierter Don Quichote der Liebe.

Jetzt möchte ich mich der süßen Erinnerung hingeben, ohne Groll zu spüren, wenn Du Dich in sprachlichen Pirouetten drehst, ohne etwas zu sagen.
Darum möchte ich, daß Du gehst. Habe Deine Bilder von den Wänden und aus meinem Kopf gepflückt. Habe Erinnerungskrimkrams in eine blauseidene Schatulle gelegt, den verletzten Stolz ganz nach unten.
Geh. Das werde ich Dir sagen. Das nächste Mal, wenn Du anrufst. Vielleicht.



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