Baum

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Wilder Ritt auf dem Weihnachtsthema

sparrow | 28. November 2006, 23:39 | Weihnachtsfieber

Im Hintergrund erschallt die neugekaufte CD mit Weihnachtsmusik, sorgfältig ausgewählt von mir. Einziges Kriterium: Der Quempas muss drauf sein. So singen also der Thomaner Chor aus Leipzig Hosianna und der Dresdener Kreuzchor jubiliert sein Gloria und ich bin in der richtigen Stimmung, das Weihnachtsessen zu diskutieren.

Als im September die fixe Idee auftauchte, dass man einen eigenen Weihnachtsbaum bräuchte, war sehr schnell klar, dass die einzige Möglichkeit wäre, die jeweiligen Familien nach Süddeutschland zu locken. Meine Familie in Punkt A, die Familie des anderen Schatzes in B (auch bekannt als das hinterletzte Stückchen in Deutschland - da muss man die letzten Kilometer zu Fuß laufen! Da gibt es ja keine Straßen.) wir in C. Wenn man das als gleichschenkliges Dreieck über Deutschland legt, hat man eine gute Vorstellung davon, was unter einen Hut zu bringen ist.

Auf keinen Fall war es eine Option, die Variante meiner Eltern nachzuspielen. Die verbrachten Heiligabend daheim, den ersten Feiertag mit Oma Rosamarie, den zweiten Feiertag mit Oma Helmi. Für uns hätte eine solch diplomatische Familienbesuchung eine Reise durch die gesamte deutsche Provinz mit Zwischenstop in Moskau bedeutet. Da schreiben andere Leute Bücher drüber! Das ging so gar nicht.

Also musste die Familie her, klare Sache. Ich hatte mir überlegt, dass wir komplett neue Traditionen schaffen könnten. Unser Weihnachten. Unser Weihnachtsbaum. Unser Weihnachtsmahl. Vor zwei Wochen habe ich diese großartige Idee dem anderen Schatz mitgeteilt. Der hörte sich meine Überlegungen und Pläne ruhig an, zuckte kurz zusammen, als ich die Begriffe "Kochbuch", "Weihnachten", "Fisch" und "alles anders" in einem Vortrag benutzt und erklärte mir dann sehr gefasst, dass er mich wie üblich in allen meinen Vorhaben nach besten Wissen und Gewissen unterstützen würde. Vorausgesetzt, dass auch der Begriff "Lende" darin vorkommen würde, wie in Schweinelende mit Sauerkraut und Weißbrot.
Ich war sprachlos! Ich wollte neue Traditionen, da die Weihnachtsmenüs nicht kompatibel waren. Ich wollte drei Gänge. Ich wollte feines Porzellan und eine Suppe vorweg.
Der andere Schatz nickte und sagte: "Ja, und Lende."
Flugs wurde eine Ein-Mann-Pro-Lende-Fraktion gegründet und "Lende, Lende" skandiert. Ich war schon in Sorge, ich würde ihn zukünftig mit Transparenten und Flyern vom Marienplatz klauben müssen.

Meine Familie war keine Unterstützung. Die Schwester wies darauf hin, dass Lende und Bockwürstchen ausgezeichnet zusammenpassen würden. Die Mutter erwähnte, dass die Lende oder Bockwurst Frage sie völlig kalt ließe, Hauptsache es gäbe Kartoffelsalat. Der Vater schmunzelte ob meiner Pein und meinte, er würde seit 10 Jahren versuchen, zu Heiligabend ein feines Menü zu kochen und hätte sich bisher nicht durchsetzen können. Er glaube nicht, dass es mir gelingen werde. Derweil im Hintergrund "Lende, Lende!"-Rufe vom anderen Schatz.

Fein. Gut. Ich weiß, wenn eine Schlacht geschlagen ist. Ist halt 5 (Familienmenü Sparrow) und 3 (Familienmenü anderer Schatz) nicht 8, sondern 53. Gibt es halt Bockwürstchen mit Lende. Dazu wird Kartoffelsalat, Sauerkraut und Weißbrot gereicht. Ihr könnt mich alle mal!

Ich bin so kurz davor, ihnen allen mit einem bayrischen, lauwarmen Kartoffelsalat und Krautsalat das Fest zu verhageln. Dreckstraditionalisten!

Übrigens, anderer Schatz! Dein Hinweis, gegen mich seist Du ja noch progressiv, als ich fieberhaft überlegte, wie man Bockwürstchen vom Metzger Gerstenberg in Werl nach München bekommen würde, war gänzlich unangebracht und wird bei der Geschenkeverteilung beachtet.



Kommentare

Sy | 30. November 2006, 23:07

Welch ein Schrecken! Bayrischer, warmer Kartoffelsalat! Nein, es muss UNSER KARTOFFELSALAT sein! Sonst komme ich nicht! Würstchen, Lende, Krautsalat, alles egal, Hauptsache der Kartoffelsalat stimmt. Dann komme ich auch.

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Sy. | 01. Dezember 2006, 01:50

Dein Tagebuch zu lesen macht Spaß. Noch spannender finde ich die Kommentare, vor allen Dingen, wenn ich sie selbst schreibe. Das bereitet mir wirklich Vergnügen.

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