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Wrapped it up and sent it - na endlich! | WEBLOG | Ein-Wort-Sätze

Fantasy High Wire

sparrow | 08. Dezember 2006, 21:13 | Daily Sparrow

Manchmal, wenn ich in der S-Bahn von Unterhaching nach München oder von München nach Unterhaching sitze und mein Buch vergessen habe, denke ich mir für die Menschen, die ich sehe, Geschichten aus.

Zum Beispiel der Mann mit den blonden Flusen auf dem Kopf, der jeden Morgen bei Heye aussteigt und das Mädel mit den langen blonden Haaren toll findet, sich aber nicht traut, sie an zu sprechen, weil sie bei Wrigleys arbeitet und denken könnte, er sei nur auf einen Vorteil beim Pitch aus.

Oder der Typ, der sein Größendefizit durch eine besonders laute Stimme kompensieren muss, eigentlich aber ganz nett ist. Er achtet auf seine Figur, denn er trägt jeden Morgen einen mit Joghurt garnierten Tengelmann Salatmix mit sich. Bei der Größe muss man auch aufpassen, dass man nicht zur Dirk-Bach-Kugel wird.

Oder die Oma, die bestimmt auf dem Weg zu ihren Enkeln ist und in dem Körbchen lauter gute Sachen aus dem Schrebergarten mit sich trägt, weil die Schwiegertochter es nicht schafft, die Enkel vernünftig zu ernähren.

Oder die Frau, die ihre Hennahaarfarbe im Biomarkt einkauft, aber heimlich beim McDonalds isst, wenn sie einen Kater hat.

Oder der Mann, der jeden Morgen einen Kater hat.

Oder das dunkelhaarige wunderschöne Mädchen, die Heimweh hat und deshalb spanische Romane liest, um sich ein bisschen zuhause zu fühlen.

Oder der junge Mann, um die zwanzig, der am Ostbahnhof eine gelbe Rose mit sich trug, um sich für ein Blinddate erkennbar zu machen. Das Mädel, welches drei Schritte vor ihm und drei Schritte neben ihm stand, also insgesamt neun Schritte entfernt, trug ebenfalls eine gelbe Rose. Offensichtlich waren beide unterwegs, um sich am Stachus mit der gelben Rose bewaffnet zu treffen. Sie hatten sich im Internet kennengelernt, bei den Lokalisten oder in einem Chat. Sie mochten sich. Sie freuten sich auf ihr Date. Sie würden die Nacht miteinander verbringen, miteinander frühstücken, in zwei Monaten zusammen ziehen und in drei Monaten das erste Kind zeugen.

Meine Fantasie lief auch Hochtouren, bis ich in der S-Bahn jeden zweiten Menschen mit einer gelben Rose sah. Eine Orgie! Offensichtlich!
Obwohl - mit Kabel Deutschland Marketing Flyern?

Mist. Schon wieder ein junges, keimendes Glück zerstört, nur weil Kabel Deutschland meint, sie müssten großflächlich gelbe Rosen über München streuen.



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