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Küchenexperimente

sparrow | 15. Mai 2007, 21:50 | Daily Sparrow

Ich koche so gern. Ich finde es voll super mit vier Töpfen zu hantieren, Zeitpläne und Garungsfenster abzustimmen, mit einer digitalen Küchenwaage Zutatenmengen exakt abzumessen, Rezepte den Gegebenheiten und Geschmäckern anzupassen und in weniger als zwei Stunden idealerweise ein Mahl auf den Tisch zu bringen.

Fand ich schon immer cool.

Mein erstes Backbuch bekam ich von meinen Eltern geschenkt, weil ich so gern Kuchenteig aß und daher häufig die Abwesenheit der Erziehungsberechtigten nutzte, um Eier, Mehl, Milch und viel Zucker zu einer Pampe zu verrühren, die ich dann genüßlich löffelte. Ich liebte auch Eis und versuchte regelmäßig durch die Tiefkühltruhe meine beiden Leidenschaften zu verbinden. Schon als Sechsjährige erfand ich eigenständig und ohne Anleitung Cookie Dough Icecream. Wäre ich Produktmanager bei Ben & Jerry's gewesen - ich hätte für nichts garantiert.
Meine Eltern fanden die Kreativität eigentlich klasse, waren aber irgendwann recht genervt von den Kuchenpampen im Eisschrank, den die Mama dann in den Ofen schob und harte und überaus süße Laibe wieder hervorholte. Ich bekam also ein Kochbuch.

Mit zehn oder so war ich das erste Mal in Bayern und bekam Dampfnudeln vorgesetzt. Große Klasse! Süß und locker und getränkt in Vanillesoße - traumhaft. Ich war so begeistert, dass ich auch gar nicht beleidigt war, als die Gastgeber sich über meine preußische Benutzung von Messer und Gabel amüsierten. (Merke: Dampfnudeln immer mit dem Löffel).
Ich ließ mir das Rezept geben und probierte es sehr bald daheim. Meine Mutter - ihres Zeichens engagierte Nichtköchin - drückte mir noch ein anderes Rezept für Hefeklöße in die Hand und leitete damit ein Desaster und ungewollt den Ursprung meines vogelfreien Umgangs mit Rezepten ein.
In beiden Rezepten war eine identische Menge Mehl und Hefe angegeben. In dem einen stand aber, man solle 500 ml Milch nehmen und im anderen 1/2 Liter. Was nun? Messbecher lesen konnte ich, Bruchrechnung lernt man jedoch erst später. Ich tat das einfach sinnvolle und nahm das Beste aus zwei Rezepten. 500 ml und 1/2 l Milch. Resultat: Hefesuppe.

Der Papa, Held des rezeptbefreiten Kochens, kam und rettete mich. Beherzt schüttete er Mehl und Hefe in die Milch und fabrizierte perfekte Dampfnudeln in doppelter Menge. Aha! Rezepte sind also interpretierbar.

Heute gab es Spargel mit jungen Kartoffeln und einem befremdlichen Gemisch, welches eigentlich und theoretisch Zitronen-Hollandaise werden sollte. Ich lerne folgendes:
1. 2 ganze Zitronen sind für meinen Geschmack zu viel. Ein Viertel Zitrone ist ideal.
2. Wenn man mit vier Herdplatten agiert, immer genau gucken, welche man ausschaltet und welche man hochdreht.
3. Hollandaise findet es nicht lieb, wenn die Hitze hochgefahren wird. Das Ei gerinnt und die Butter ist schwerelos im All unterwegs.

Gut. Demnächst nächster Versuch.



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