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Champignon Klaus | WEBLOG | Klaus, der Pilz, stellt Forderungen

Hausaufgaben machen!

sparrow | 24. Juni 2007, 02:06 | Daily Sparrow

Als ich so zwischen 7 und 10 war, wollte ich eine Pfirsichblütenbarbie haben. Unbedingt. Und zwar, weil meine Barbiespielfreundin eine hatte. Nicht weil die Pfirsichblütenbarbie in der Werbung kam mit dem immer leiser werdenden Ruf "Mattel, Mattel, Mattel".

Über die Mattel-Mattel-Mattel-Werbung waren wir in der Schule aufgeklärt worden. Mattel - so die Botschaft der Pädagogen - versuchte uns etwas zu verkaufen und zwar über das Unterbewusstsein. Man sollte als unschuldiges Kind konditioniert werden, Mattel zu wollen und seine Eltern mit anhaltender Nörgelei zu zwingen, Mattel zu kaufen. Mattel wollte ich nie. Ich wollte die Pfirsichblütenbarbie, weil meine Freundin eine hatte. Wenn wir spielten, dann bekam Ken am Ende immer mit haarsträubenden Argumenten die Pfirsichblütenbarbie. Das lag daran, dass sie Ken besaß, Ken sprach und spielte und Ken grundsätzlich ein blöder Idiot und Volltrottel war und keine meiner Barbies, sondern nur die Pfirsichblütenbarbie wollte. Was dazu führte, dass ich wütend meine Sachen zusammenpackte und ging. Bis zum nächsten Mal. Warum ich überhaupt wollte, dass meine unangepassten und eigenständigen Barbies von Ken erwählt wurden, ist mir ein Rätsel. Ein dummer, oberflächlicher Schönling, der nach Kleiderfarbe und Duft ging, sollte geteert und gefedert und nicht umworben werden.
Mattel, Mattel, Mattel war auf jeden Fall nicht Schuld, sondern etwas, was ich heutzutage als entweder Peer Pressure oder Word of Mouth kenne.

Die Pfirsichblütenbarbie ist über 20 Jahre her. Immer noch können Leute mit gutgemachten Marketingaktionen mein Herz erobern, aber ich weiß inzwischen warum sie das tun. Ein gutes Beispiel sind die Menschen bei Bose, die eine Präsentation für ihr Multi-Room-Concept auf die Beine gestellt haben, die mir den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Bose ist mein Held. Bose ist geil. Ich will so ein Bose Homeentertainmentdings. Voll geil. Und die Präse bitte dazu.

Gut finde ich, wenn Journalisten Trends aufgreifen und bei Bedarf auch kritisch betrachten. Was mich tierisch nervt ist, wenn die Fakten nicht stimmen. Beispiele:

Die Jungs von einer voll tollen neuen Suchmaschine (sic!), die darauf hinwiesen, dass man allerorten, nur Affiliate-Seiten finden würde, deren einziges Ziel es sein, Geld zu verdienen. Achso. Im Gegensatz allso zu Amazon, eBay und Mattel, deren heres Ziel es ist, die Welt zu retten und möglichst hübsche Barbies zu produzieren.
Ich find ja auch Altruismus voll super, aber wer kann sich davon füttern? Und wer in aller Welt geht davon aus, dass eine neue tolle Suchmaschine (sic!) nur darauf aus ist, den Armen, Schwachen und Kranken dieser Welt ein Forum zu bieten? Ich fänds ja schon mal einen Schritt in die richtige Richtung, wenn man Pressemeldungen nicht von polemischen Praktikanten schreiben ließ.
(Link zur Pressemeldung leider verloren - wird nachgereicht)

Groß auch der paranoide Artikel in der Zeit zum Thema Behavioral Targeting:

Marketing-Spezialisten sprechen von "Behavioral Targeting", also einer Steuerung des Verhaltens


Jungs und Mädels bei der Zeit: Das ist eine grobe Fehlübersetzung. Behavioral Targeting bezeichnet nicht die Steuerung des Verhaltens anhand der Werbung, sondern die Steuerung der Werbung anhand des Verhaltens. Das ist ein wichtiger Unterschied. Das ist der Unterschied zwischen

Mattel, Mattel, Mattel => Sparrow kauft Pfirsichblütenbarbie
Sparrow recherchiert Pfirsichblütenbarbie online - Mattel sagt, wo man es kaufen kann

Wir haben so viele Probleme, die aus neuen Techniken rühren, richtige wichtige Sachen, wo Orwell-Zitate Sinn machen und man dringen handeln muss. Wo Daten gesammelt und bestimmten Personen zugeordnet werden und zu wilden Schlussfolgerungen führen. Behavioral Targeting gehört sicherlich nicht dazu. Da könnte man auch gleich den Kellner anpflaumen, der sich gemerkt hat, dass man lieber Augustiner als Paulaner trinkt.

Weiteres Lieblingsthema meinerseites: Cookies.
Cookies speichern erstmal nicht, was Du bist und wer Du bist, sondern im Zweifelsfall nur über welchen Kanal Du gekommen bist. Völlig legitim, oder? Wenn jemand Geld investiert in Google Search Campaigns oder Affiliate Marketing oder Media Kampagnen, dann sollte der jenige ein Verständnis darüber haben, was User am besten finden, i.e. was sie am ehesten auf die Seite bringt und zu Käufern werde lässt. Dinge wie Browser, Auflösung, Provider und Schuhgröße lassen sich eh über die Session abfragen. Cookies ausschalten bringt also erstmal nichts.
Die großen Helden von SPON sehen das anders:

Cookie. Meint im Netz meist einen Webcookie, einen von Webseiten angelegten Eintrag in einer speziellen Datei des Internetbrowser. Identifiziert den Rechner und Nutzer, wenn er später einmal wieder dieselbe Internetseite ansteuert.


Äh. No. Speichert unter Umständen, mit welchem Keyword er auf der Seite gelandet ist oder über welchen Kanal/Partner er kam. Nicht den Rechner, nicht den Nutzer. Warum auch. Die kriegt man ja über die Session. Ein Cookie kann nicht unterscheiden, ob bei einem Familienrechner Mama oder Sprößling surft. Ein Cookie ist auf dem Rechner gespeichert, drum muss er nicht identifiziert werden. Für Online Marketeers ist der Cookie spannend, um zu wissen, bei welchem Kanal man sinnvoll oder unnütz Geld ausgegeben hat - und für die User von Amazon: Der böse Cookie weiß, was Ihr Euch auf dem benutzten Rechner zu letzten angeschaut habt.

Und jetzt als feines Rant-Ende: Blogs sind nicht nur Privatpersonen. Teilweise noch nicht mal Personen, sondern Personengruppen.

Research fänd ich echt mal groß.



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