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Keine Fußballfrage bleibt offen | WEBLOG | was Vernünftiges, zur Abwechslung

Die wahre Party tobt...

sparrow | 19. Juni 2006, 00:09 | Daily Sparrow

... im U-Bahnhof Marienplatz. Grad kam mir ein feiernder Fanzug entgegen. Aus tausend Kehlen wurde ein begeistertes Olé Olé Olé Olé geschmettert, welches die gute Akustik des renovierten Durchgangs nutzte, um wie gregoreanische Choräle zu klingen.
Der Chor komplett gewandet in gelb und grün, lediglich die Farben der wie Umhänge um die Schultern gelegten Fahnen unterschied sich.
Die Gruppe tanzte Samba und was auch immer Australier tanzen, wenn sie euphorisch sind. Crocodile Rock vielleicht?

Großartig die Unterhaltungen. Jaja, ihr habt ein gutes Spiel gemacht. Brasilien kann sich aber noch steigern. Jaja, wir können uns noch steigern. Aber trotzdem, tolles Spiel. Dann freute man sich diebisch über die Klatsche, die die Franzosen bekamen und das Kartenfeuerwerk für Italien und die USA.

Ich vermute, dass sich die Verbrüderung des Tages fortsetzt. Da hatten ja gelb-grüne Truppen die Münchener Innenstadt gestürmt, gesungen, getanzt, in Tröten geblasen und Samba getanzt. Die Zugehörigkeit zu Nationen war wegen der Farbgleichheit nur schwer zu erkennen, zumal ja auch ein ganzer Haufen von Opportunisten sich mit den Trikots und Fahnen des Favouriten bekleidet hatte, um an den Siegesfeierlichkeiten teilnehmen zu können.

WM ist Klasse. Lasst uns diese reine, ungebändigte Freude und Euphorie noch ein bißchen behalten. Wir werden es noch brauchen. Man muss die Gesundheitsreform sicherlich nicht mit Autokorsos begrüßen, aber ein kleines Olé Olé für die Mehrwertsteuererhöhung sollte drin sein.


Nachtrag: Der andere Schatz erwähnte gerade ein weiteres Aktionsfeld für Opportunisten. Seiner Aussage nach stürzen sich die Brasilianerinnen begeistert auf Eingeborene (also Deutsche) im Brasiliendress, um ihnen alles zu zeigen, was Brasilien zu bieten hat, also Samba, schöne Frauen und Ronaldinho. Aha. Ich sollte wohl dankbar sein, dass er großzügig darauf verzichete, sich auch ein gelb-grünes T-Shirt zuzulegen.


Kommentare

Rabea | 22. Juni 2006, 23:07

Meine neuste WM Geschichte:
Unsere Mutter hat in den Zeiten der WM wie soviele Mitbürger ihren Patriotismus entdeckt und ist dem Fahnen- und Flaggenfieber verfallen.
Eine davon schmückt ihre Hofeinfahrt und zwei weitere befanden sich an dem Auto, mit dem sie die meiste Zeit unterwegs ist.
Unser Vater hat sich darauf hin geweigert, dieses Auto zu benutzen.
Die Reaktion darauf von Mama:
"So ein Schwachsinn, sonst tut er doch auch immer so groß mit seinem Deutschtum, da kann er sich jetzt auch in dieses Auto setzen."
Die Probleme, die ihm sein Gewissen macht, bei dem Gedanken solch ein Auto vor seiner Tür stehen zu haben, wo es jeder doch jeder sehen könnte, habe ich ihm genommen.

Ich war auf der Autobahn unterwegs und habe mich fürchterlich gewundert, über ein andauerndes und lautes Klappern an beiden Seiten des Autos. Ich dachte, irgendetwas mit dem Auto sei nicht in Ordnung und wollte schon anhalten, damit jemand anders mal nach sehen kann.
Dann kam ich auf die glorreiche Idee mal eines der Fenster ein Stück runter zu fahren, um mir das Klappern genauer an zu hören.
Schups, war das Klappern auf der einen Seite weg.
"Toll", dachte, "das probierste nochmal."
und machte das gleiche auf der anderen Seite.
Das Klappern war behoben.
Die Fenster waren wohl nicht richtig zu, überlegte ich, aber komisch fand ich es schon, dass die Dichtungsgummis an den Fenstern solche lauten Geräusche von sich geben konnte.

Nun ja, nun denn, ich erreichte mein Ziel und das Auto stand eine Nacht über in Bochum.
Am nächsten Morgen stieg ich dann wieder in das Auto um nach Hause zu fahren, aber moment ... irgendwas war anders.
"Natürlich", da viel es mir auf. Die Flaggen an den Fenstern fehlt.
"Super", dachte ich, "Sogar so schäbbige 2-Euro-Flaggen werden dir hier in Bochum vom Auto geklaut. Hier parkste demnächst nicht mehr!"

Erst auch dem nach Hause weg ist mir dann aufgefallen, dass es eventuell noch eine andere Möglichkeit für das verschwinden der Flaggen gegeben haben könnte.

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Sy. | 18. November 2006, 03:28

Zwei Tage später sind die beiden Familienoberhäupter ebenfalls auf dieser Autobahn unterwegs. Natürlich ohne Flaggen. Doch da entdeckte ich sie, meine Flaggen, auf dem Randstreifen! Jedoch nicht nur zwei Flaggen lagen da, nein, 100e. Leider hat sich das männliche Familienoberhaupt geweigert zu halten und die Dinger aufzulesen. Wäre vielleicht ein netter Nebenverdienst geworden.

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