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Auf der Pirsch | WEBLOG | Von Mauern und Büschen und dem ganz alltäglichen Neid

Seelenschmerzen

sparrow | 24. Juli 2000, 18:49 | ganz alter Kram

Montag ist es und der 24. Juli. Der letzte Eintrag liegt fast zwei Monate zurück. Ich erwache langsam wieder aus meiner Starre.
Die letzten Wochen waren der absolute Horror. Selbstgemachter Horror. In eigenproduziertem Psychoterror schmoren gehört wohl zu den Hobbys dieser verdammten Gesellschaft. Ich schließe mich nicht aus. Eher schließe ich mich an.

Was soll ich groß erzählen? Panikattacken, Bauchschmerzen, Schweißausbrüche bei bestimmten Schlüsselreizen. Und immer wieder nächtliche Telefonate, bei denen ich schluchzend am einen Ende hing, während jemand am anderen Ende beruhigend murmelte.
Ab und an warf man mir vor, daß ich mich nur meldete, wenn es mir schlecht ginge. Falsch. Ich meldete mich, wenn es mir so schlecht ging, daß ich nicht weiter konnte. Und dann auch nur bei den Leuten, vor denen ich am wenigsten Angst hatte.

Langsam geht es wieder aufwärts. Und ich genieße jede Sekunde, in der ich glücklich bin - teilweise aufgedreht, weil ich gar nicht fassen kann, gar nicht mehr wußte, wie wunderschön es ist, glücklich zu sein. Und zu leben. Und zu tanzen. Den Mund weit zu öffnen, den Kopf in den Nacken zu legen und zu lachen.

Was bleibt, ist das Problem mit den dezimierten sozialen Kontakten.
Subtrahiert man die Leute, die ich in der U-Bahn treffe, die Leute, die mir im Büro gegenüber sitzen, die Leute, die ich übers Internet treffe und meine Familie, bleiben nicht viele, mit denen ich in den letzten Wochen sprach. Die ich nicht gleich wieder abwimmelte.
Jetzt stehe ich hier und betrachte betroffen, meinen mageren Freundeskreis. Ich weiß, er wird noch weiter hungern, wenn ich mich nicht endlich aufraffe und anrufe. Was nur, soll ich sagen?
"Hi, sorry, daß ich mich so lange nicht gemeldet habe, aber ich hatte Angst vor Dir. Ach ja, und alles Gute zum Geburtstag nachträglich." Oder auch "Uhm, ja, hi. Lange nicht gehört. Wie lange bist Du jetzt schon wieder in Deutschland? Zwei Monate? Willkommen daheim!"
Es ist blöd und verfahren. Ich wäre stinksauer, wenn ich nicht ich selber wäre und somit ständig mit mir in Kontakt stünde. Will sagen: mit mir dürfte keiner so was machen.

Was soll das Lamentieren. Im Grunde hilft ja doch nur eins: Endlich die Initiative ergreifen.
Hm. Vielleicht morgen.



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