München ist eine fahrradfreundliche Stadt. Das bedeutet, dass es überall Radwege gibt und Radständer.
Es bedeutet nicht, dass Münchens Radfahrer freundlich sind. Ganz im Gegenteil. Sie sind unglaublich grantelig, extrem unfreundlich, überaus rücksichtslos und verdammt schnell.
Wenn es hinter Dir hektisch klingelt, hüpf aus dem Weg so fix Du kannst. Ob Du im Recht bist oder nicht ist scheißegal, wenn Du erstmal briefmarkenplatt auf dem Gehweg liegst.
Erstbesucher im September sollten keinesfalls in der U-Bahn mit dem Finger zeigen und rufen: "Guck mal, ein Trachtenverein auf Ausgang. Wie süß."
Das führt zu Problemen.
Ich, als echte Westfälin, bin da ja von Natur aus kritisch eingestellt. (OK, als Sechsjährige war ich es nicht. Da habe ich meine Mutter so lange belagert, bis sie mir ein hübsches blaues Dirndl nähte. Mit weißem Schürzchen. Im Partnerlook mit meiner Schwester. Anderes Thema, anderes Photo, anderes Zeitalter.)
Ich merke allerdings, wie meine Wiederstände zu schwinden beginnen. München assimiliert ja schlimmer als die Borg. Resistance is futile.
Männer in Trachtenhemden, Halstücherln und Lederhöschen sind auf einmal *gasp* ansehnlich und nicht lächerlich. Schockschwere Not. Ich betrachte mich verwirrt und stelle fest, dass ich Sätze denke wie "Stramme Waderln hat der Bub!"
Dirndln gegenüber bin ich aber immer noch zwiespältig eingestellt. Auf der einen Seite ist der hochgeschnürte Busen, der ein fast waagerechtes Dekoltee zaubert, durchaus etwas wert. Sogar A-Körbchen können damit ansprechend präsentiert werden. Auf der anderen Seite macht der Rock einen Arsch wie ein Brauereipferd. Tut er. Wirklich. Auf der ganz anderen Seite kann man auch seine Schultern mit einen Blüschen hübsch in Szene setzen.
Von jetzt an ist es wohl nur ein kleiner Schritt, bis ich bei Erwähnung der Bayern-Hymne nicht mehr anfange Blau und Weiß, wie lieb ich Dich zu intonieren und regelmäßig Gefahr laufe, kräftig eins auf die Fresse zu bekommen.
Übrigens: Die Königsquelle an der Baaderstraße serviert Kölsch. Vom Fass.
"Oktoberfest mit den ganzen Dirndln und Lederhosen - das ist doch wie Karneval!"
Dieser Satz fiel gerade beim Mittagessen und führte bei den anwesenden echten Münchnern zu purpurroten Gesichtern, Atemnot und Herzrhythmusstörungen.
a. heißt es Wies'n und nicht Oktoberfest. Ist ja auch schließlich nicht im Oktober.
b. verkleidet man sich nicht, sondern erscheint in zünftiger Tracht.
c. Wies'n ist einzigartig und nie nie niemals "wie" irgendwas. Schon gar nicht Karneval.
Morgen dann, warum die Bestellung "Ich hätte gern ein kleines Pils" schlimmstenfalls zum Lokalverweis führt.