Kollege D:
Wenn Du Deine eigene
Benchmark bist, dann bist Du immer Marktführer.
Das hätte auch die Schwester sagen können.
Ich dachte bisher, dass ich mich online ganz gut auskenne. Bis der Herr W.* mir mal kurz das Internet erklärte. Hm. Sicherer ist man, wenn man nur Solitär spielt und zwar nicht übers Netzwerk.
*Herr W. der Spezialist im Unterschied zu Herrn W. dem Tanzpartner und Herrn W. dem Exkollegen. Ich kenne zuviele W.s
Die Freuden, in einem weltweit agierenden Unternehmen zu arbeiten, äußern sich manchmal in winzigkleinen Gesprächsbruchstücken:
Herr P.: "Was heißt treulose Tomate auf englisch?"
Herr F.: "Faithless tomato"
Wenn der Kollege mit dem Kommentar "Psst, jetzt kommt die beste Stelle" minutenlang mit geschlossenen Augen und verzücktem Gesichtsausdruck Luftklavier spielt - zu der Titelmelodie von "Baywatch"
Sparrow: "Oh, Deine Kühe machen eine Polonaise!"
Kollege W: "Das siehst Du so. Für mich stehen einfach fünf Kühe in einer Reihe!"
Schreibtischschmuck ist cool, auf jeden Fall.
Einige aktuelle Diskussionen u.a. über StudiVZ haben mich daran erinnert, dass man nie privat online unterwegs ist und schon mal gar nicht, wenn man online auch arbeitet.
Inzwischen wird auch alles archiviert und per Screenshot gesichert, so dass man weder auf den virtuellen Boden rotzen, noch in der Nase bohren darf.
Meine Kunden, Kollegen, Mitbewerber, Chefs und zukünftigen Arbeitgeber sind alle online und können Google bedienen. Und auch andere Suchmaschinen! Die wissen, was läuft im Gebüsch! Außerdem liest die Mama mit.
Lustigerweise macht es mir nicht viel aus, bestimmte Dinge an dieser Stelle einfach auszuklammern. Ich bin allerdings auch sehr daran gewöhnt zu filtern. Der andere Schatz ist gehört ja auch zum Online Marketing Club und wir haben sehr früh beschlossen, bestimmte Dinge nicht (mit-)zuteilen. Unserem Verständnis nach gehört das zu einem Verantwortungsgefühl der Firma und auch dem Partner gegenüber - Wenn man etwas privat erfährt, kann man dieses Wissen ja nicht ausschalten, wenn man im Büro ist. Und wenn das Wissen
eigentlich eine berufliche Reaktion erfordern würde, aber man es
uneigentlich ja gar nicht weiß, weil in der Badewanne erfahren... das ist eine Zwickmühle, die wir uns ersparen wollen.
Wieder vom Thema abgekommen.
Eigentlich wollte ich sagen, dass ich schwer verwundert bin, dass ziemlich schlaue Leute nicht rallen, dass Internet öffentlich ist. Popeln, pupsen und semi-lustige Filmchen veröffentlichen gibt Abzüge in der B-Note.
"Bitte bringen Sie mir zeitnah die Karte!"
"Ich hole schon mal proaktiv Salat vom Buffet."
"Ich habe mich auf das Steak committet."
"Herr Ober, die Performance der Küche ist heute suboptimal."
Das kann sicherlich noch hübsch ergänzt werden. Die Herren W haben doch da immer tolle Ideen.
Übrigens: Proaktiv heißt proaktiv, weil der Kunde zu recht davon ausgeht, dass er vor dem Entstehen eines Problems darüber informiert wird.
"Herr Müller, morgen gegen 16.00h wird es bei Ihnen einen Wasserrohrbruch geben. Bitte entfernen Sie vorher Ihre teure Uhr vom Badewannenrand. Die wird sonst kaputt gehen."
Shooting the messenger is an excellent way to prevent further messages.
Wirklich sprachlos machen mich die regelmäßigen Newsletter eines Businessblogs.
"Drop by my blog NOW! It will be a good exercise for you."
Die Amis haben ja sowieso eine Art in Newslettern einen sehr belehrenden und väterlichen Ton anzuschlagen, der mich wahnsinnig macht. Ich habe schon spannende Newsletter abbestellt, weil mich der Tonfall von oben herab so genervt hat.
Humbleness schaut auf jeden Fall anders aus.
Zwei Tage Messe - hohe Hacken sind die Hölle. Kein Interesse von meinem Jumpstart am Mittwoch Morgen zu berichten (5:10h war Treffpunkt, 4:00 klingelte mein Wecker, 5:00 bin ich aus dem erneuten Schlaf hochgeschossen. Treffpunkt pünktlich erreicht - das ist Rekord.) Auch nur begrenzt Lust außerhalb von Klammern von den Tagen dazwischen zu berichten. (super busybusybee, Merchandising Exchange mit diversen Unternehmen, G&J mit Eis sind die Helden, Tomorrow Focus mit Currywurst sind Lebensretter, AdTech Massagestand nicht geschafft, aber Krempel für Mama eingesammelt und gefühlte 50000 Leadbögen ausgefüllt.)
Rückflug war ein Abenteuer, aber auch nur begrenzt berichtenswert. (Warum zur Hölle überbucht man einen Flieger nach München nach einer Messe, wo 50% der Aussteller aus München kommen? Hotel war gut, Abendessen hat geschmeckt, Entschädigung von der Lufthansa wird verbraten, nicht gespart.)
Jetzt bin ich todmüde, weil ich in den vergangenen drei Tagen entweder zu früh aufstehen musste oder aber zu spät ins Bett gegangen bin. Zum Glück ist das wohl der offizielle Messe-Koller. Spannende Kontakte, oh ja. Dutzende. Hunderte. Voll gelohnt, nein wirklich. Nächstes Jahr sollten wir uns jedoch die Standparty schenken und nur heiße Milch ausschenken. Das ist für die Befindlichkeit der einzelnen Mitarbeiter bestimmt deutlich besser.
Übermorgen dann der (erste) Kunden-Wiesn-Rummel. Ich ziehe kein Dirndl an. Aber ich nehme ein Hendl.
Mist. Jetzt habe ich auf mein feines
Zieltraffic-Polohemd Rotwein gekleckert. Hätte doch besser auf Badelatschen bestehen sollenl.