Baum

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Weihnachtstraditionen

sparrow | 30. November 1998, 20:25 | Kolumnen | [0] Kommentare



Kerze
Am Vorabend des 22. Dezembers zog ich ein Resümee.
Alle Weihnachtskarten waren verschickt. Die Gans ruhte schnuckelig in ihrem Tiefkühltruhennest. Der Baum harrte auf der Veranda dem Lamettagroßangriff. Meine Geschenkeliste sah folgendermaßen aus:


  • Mutter (Vase) erledigt

  • Vater (Krawatte) erledigt

  • Tante Tilli (Porzellanengel) erledigt

  • Onkel Herbert (Socken) erledigt

  • Franz (???)



Franz war ein Problem.

Ich persönlich liebe Weihnachten. Schon ab dem 15. November singe ich unter der Dusche Weihnachtslieder. Ich kann alle Strophen von "Ihr Kinderlein kommet" auswendig, inklusive der, von der Konfirmandengruppe gedichteten. Weihnachtsmänner in Schaufensterauslagen betrachte ich mit adventlichem Wohlwollen. Es gibt nicht schöneres für mich, als mich mit schenkwütigen Menschenmassen durch goldglänzende Einkaufshäuser zu drängen und dabei kitschige amerikanische Weihnachtslieder zu summen.
Und wenn dann mein tränenverschmiertes Gesicht am Heiligabend in der Christvesper kerzenerleuchtet den Worten des Verkündigungsengels lauscht, dann, ja dann bin ich glücklich.
"Sehet Euch ist ein Kind geboren," sagt er, während die Hirten anbetend ihre Knie beugen und ich in mein Taschentuch schluchze.
"Freuheue, freue Dich, oh Menschenheit," singe ich inbrünstig und freuheue mich von ganzem Herzen.

Nicht so Franz. Franz findet rosige Engelpopos abstoßend. Die Gans liegt ihm zu schwer im Magen.
Freue ich mich über die festliche Dekoration, mault er über den christlichen Kommerz. Wenn die Blockflöte und ich "Heidschi Bum Beidschi" trällern, hält er sich die Ohren zu.
Er zitiert Spiegelartikel über den Niedergang der deutschen Nadelhölzer beim Anblick eines Weihnachtsbaumes. Zimtsterne mag er schon gar nicht und von Lebkuchenhäusern bekommt er Sodbrennen.
Kurz, Franz ist ein Weihnachtsmuffel. Weiter lesen...

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