Baum

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Danke schön

sparrow | 26. Dezember 1998, 17:09 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



26. Dezember 1998 In alter Frische und nur ein bißchen angeschlagen melde ich mich offiziell zurück aus dem Unneraner Weihnachtstrubel.
Rabsi hat sich ausgerechnet Weihnachten ausgesucht, um krank zu werden. So krank, daß meine Eltern es für unbedingt nötig hielten Amok zu laufen. Ins Krankenhaus haben sie sie geschafft, aber die wollten se nicht haben. *grins*
Irgendwie verständlich bei dem Satansbraten.
Meine Oma ist auch krank, daher fiel das große Familienweihnachtsessen bei ihr auch aus. Bockwürstchen und Kartoffelsalat und ein bißchen geklaute Pute vom Lorenz - so sah mein Festmahl aus.

Jetzt haben sich meine Eltern zum Skifahren abgesetzt und ich hechte zwischen zwei Patienten hin und her. Dazu kommt die Anweisungsliste, die mir meine Mama hinterlegthat und natürlich die Handwerker, die immer noch in unserem Keller rumpröddeln.

Ansonsten geht es mir überraschend gut. Drei Tage hab ich mir gegönnt, um mich in Leid zu suhlen. Das ist jetzt vorbei. Jetzt entdecke ich einen wunderbaren Egoismus an mir, den ich so noch gar nicht kannte. Es ist herrlich zu wissen, daß mir nichts wichtiger ist, als mein persönliches Wohlbefinden.
Ich schaue mich um, und bemerke mit Erstaunen, daß die Welt weder aufgehört hat, sich zu drehen, noch schön zu sein. Ich zucke zwar nach wie vor zusammen, wenn ich durch Zufall ein langes dunkles Haar in meinem Portemonaie finde, aber das wird sich auch noch ändern.
Wenn man gar nichts anderes hat, hat man immer noch seinen Stolz. Und ich bin weit davon entfernt gar nichts mehr zu haben.
Ich hab Freunde, Stärke, Würde und einen nicht klein zu kriegenden Optimismus. Außerdem genug Schokolade. Und dann hab ich dies wiedergefunden.
Was mir bleibt, ist mich zu bedanken. Das tue ich in aller Aufrichtigkeit. Danke für Blätterfußball und Fingerspitzentanz, für gemeinsame Nächte mit singendem Draht, für Lächeln in Augen, für Bahnhofsküsse und Herzen an beschlagenen Autoscheiben. Für Mondtanz in Tankstellenwein getränkt und für den Engel. Den werde ich behalten.

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