Als ich
Sasa kennenlernte war ich zarte Zwanzig und gerade in der entsprechenden Laune Unfug zu treiben. Also setzte ich mich eines Samstags in den Zug und fuhr bei 30° Grad von Unna nach Mannheim. Einfach so. Um einen wildfremden Mann zu treffen, von dem ich wusste, dass er seine Nächte als Nachtportier in einem Hotel fristete. Tagsüber studierte er irgendetwas Wildes mit Literatur und schrieb.
Er hatte langes dunkles Haar und sah so aus, wie ich mir wilde Elfen aus kitschigen Fantasy-Romanen vorstellte. Ich war hingerissen und zwar auch noch als die herrliche Sommerliebe den grausamen Wintertod starb. Seine Liebesbriefe sind nach wie vor die schönsten und zauberhaftesten, die ich je bekommen habe.
Einige Jahre später hat der Herr einige Preise im Schrank, unter anderem den Bachmann-Publikumspreis und einen DSA Fanfiction Award (?) und bereitet sich auf die Veröffentlichung seines ersten Romans vor.
Der erste Auszug aus
"Wie der Soldat das Grammofon repariert" findet sich
hier, gelesen vom Autor selbst.
Die
Presse überschlägt sich jetzt schon:
Judith Schnaubelt hat Sasa Stanisic vor kurzem in München getroffen und ist überzeugt davon, dass dieser sympathische junge Schriftsteller im literarischen Herbst dieses Jahres everybodys darling werden wird.
Als dann, literarischer Darling. Jetzt kann es ja nicht mehr lange dauern, bis ich Angebote für die Briefe erhalten werde und das Haus mit einer Plakette verzieren kann: Hier nächtigte der berühmte Dichter Sasa Stanisic.
Hauptsache, mein Exemplar des Buches wird signiert.
... wenn man einen Google Alert mit dem Namen des Liebsten hat.
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