Großartiges Popcorn Kino! Über die Geschichte gibt es wenig zu sagen, die hält sich dankenswerter Weise dezent im Hintergrund, um die Fecht-, Schlacht-, Wasser- und Actionszenen nicht zu stören. Hier wird noch nicht mal der Versuch unternommen, die hanebüchene Story plausibel zu machen. Es ist einfach so und fertig. Ich bemühe mich trotzdem um eine kurze Zusammenfassung:
Will Turner und Elizabeth Swann werden festgenommen, weil sie Captain Sparrow behilflich waren. Sparrow treibt sich mit seiner Black Pearl irgendwo auf dem Ozean rum, weiß aber nicht was er will, weswegen sein magischer Kompass nicht funktioniert. Den Kompass begehrt Beckett, der Will seine und Elisabeths Freiheit verspricht, wenn er den Kompass besorgt. Will macht sich auf die Reise.
Jack Sparrow hat andere Probleme. Er muss sich mit dem unheimlichen fliegenden Holländer herumschlagen, der Jack zu lebenslanger Sklaverei verpflichten möchte.
Das ist aber, wie gesagt, alles nebensächlich. Wichtig sind die grandios inszenierten Fechtszenen, die minutenlang das ganze Publikum in Atem halten und auf jeden Höhepunkt nochmal einen drauf setzen. Großartig. Fantastisch.
Wichtig ist auch der wundervolle Johnny Depp, der seinen Captain Sparrow wahlweise völlig betrunken, tuntig oder komplett wahnsinnig durch die Gegend wanken lässt.
Wichtig ist der schöne Orlando Bloom, wenn er als echter Held durch die Takelage hüpft, sich an Seilen auf und nieder schwingt und mehr als einmal allen das Leben rettet. Außerdem reißt sein Hemd auf.
Der Film ist wie eine zweistündige Achterbahnfahrt. Bitte Hirn ausschalten, anschnallen und loooos gehts!
Ich gebe drei Punkte und freue mich auf den dritten Teil.
Grade habe ich den 4. Teil von Sasas
Kostproben und Appetithäppchen gehört: So wunderschön und zauberhaft, obwohl einem zum Ende das Lachen im Halse stecken bleibt.
Wann kommt denn nun das Buch endlich?
Früher, damals, vor unendlichen Jahren, als ich mich regelmäßig in Chats herumtrieb und lollte und gggte und frinste was die Tasten hergaben gab es zwei Standardfragen. Die erste kam recht frühzeitig und hieß in Fachkreisen "Mow-Frage" von "
Männlich
oder
Weiblich?" Damit outeten sich Anfänger und Cybers*xler innerhalb von 5 Sekunden. Die "Clique" und ich antworteten in der Regel mit allen Buchstaben des Alphabets und wilden Akronymen, die just in diesem Moment entstanden.
Die zweite Frage kam, wenn man sich etwas besser kannte, häufig miteinander geggt und gelollt hatte, diverse virtuelle Jokes gerissen hatte und überhaupt verdammt nah an allerbester Kumpel ever war, (Das dauerte so knapp 3 Tage - Rapid Intimacy nennt sich das Phänomen.) kam die Frage nach dem RL, dem "
real life", dem Leben außerhalb der virtuellen Steppe oder Zauberwald oder Hafen oder wo man sich sonst so tummelte. Wer nach "RL" fragte, wollte wissen, wie die Person hinter der Tastatur aussah, wie der Charakter hinter der Chatfigur war, welche Ziele, Meinungen und Berufe man anstrebte, vertrat und ausübte.
Über das Chatten wollte ich mich aber gar nicht auslassen. Das war nett, lustig, ziemlich zeitraubend und nach einiger Zeit fürchterlich repetitiv. Immerhin kann ich jetzt blind mit 10 Fingern tippen und zwar ziemlich fix.
Was mich aber wirklich fertig macht, ist, dass die blöde Ausdrucksweise "RL" in der Übersetzung den Weg in die Alltagssprache gefunden hat und zwar als das unsägliche "im wirklichen Leben". Hallo? Roflt irgendwer, statt sich vernünftig abzurollen? Liest man in Artikeln, dass jemand herzhaft lollte? Nein? Warum, warum, warum dann also ausgerechnet dieser bescheuerte Ausdruck.
Mir läuft es jedesmal kalt den Rücken runter. "Im wirklichen Leben ist er Bauarbeiter" in einer Reportage über einen Mann, der vielleicht in seiner Freizeit außergewöhnliche Topfpflanzen züchtet. Ursprünglich war der Begriff ja eine Abgrenzung zwischen der
virtuellen Welt und der Welt ohne Tastatur. Inzwischen werden damit Unterschiede zwischen Beruf und Hobby gekennzeichnet. Das wirkliche Leben ist immer der Beruf. Was bitte ist denn dann die Freizeit? Lala-Land und Märchentraum? Standby, bis der Schalter morgens um neun umgelegt wird und man wieder Existenzrecht erhält? Aufenthalt in der Besenkammer mit Ausgang um Konsumpflichten nachzukommen? Argh!
Ich bin real. Immer. If you prick me, do I not bleed, egal ob ich arbeite oder nicht.
Ich werde nicht weniger wirklich, nur weil ich einem obskuren Hobby nachgehe oder Wochenende ist. Wenn ich die Augen zu mache, bin ich da und spüre wenn zarte Finger Buchstaben und Blumentöpfe auf meinen Rücken malen. Wenn ich in der Badewanne untertauche und gleichzeitig laut singe, bin ich da. Wenn ich auf Socken durch die Küche schlittere und dabei für ein imaginäres Publikum Roland Kaiser Lieder in einen Kochlöffel trällere, bin ich da.
Ich verbitte mir jegliche implizierte Andeutungen, meine Freizeit könnte weniger real sein, als mein Weg ins Büro. Und weil ich grad dabei bin, beziehe ich den Rest der Welt mit ein. Lasst Euch Eure Wirklichkeit nicht nehmen!
P.S. Und Gänsefüßchen, ob nun getippt oder mit den Fingern in die Luft gehakelt, besagen ja mal so gar nichts. Wenn man weiß, dass ein Ausdruck so blöde ist, dass er Gänsefüßchen braucht, sollte man einen anderen suchen.