Baum

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a sparrow, not a feature

Es klingelt nicht

sparrow | 21. September 1998, 20:21 | Kolumnen | [0] Kommentare



Mein Telefon ist schwarz. mattierter Kunststoff. Die Tasten sind schön geformt. Gut zu treffen. Selbst im Dunkeln. Mein Telefon ist wunderschön. Ich habe es im Sonderangebot erstanden. 35,00 DM bei der Telekom.
"Es ist nur noch schwarz da"
entschuldigte sich die Verkäuferin. Schwarz war in Ordnung. Ich mag schwarz. Ich mag mein Telefon. Es hat nur einen entscheidenden Fehler. Es klingelt nicht. Ich schüttle es. Es klingelt nicht.

Ich aber bin eine moderne, selbstbewußte, junge Frau. Ich habe es nicht nötig, auf das Klingeln eines Telefons zu warten, wie ein erstmalig verliebter Backfisch. No way, José. Ich warte nicht.
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Wirre Onlinebeziehungen

sparrow | 17. September 1998, 13:48 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



So. Nach viel zu langer Diary- Abstinenz werd ich jetzt mal versuchen, die chaotische letze Woche zu vergessen und die Tagebuchschlunzerei ad acta legen. Frohen Mutes werde ich meine Einträge regelmäßig und grammatikalisch korrekt hochladen. (*husthust)

Kurz zur letzen Woche: Erstens hatte ich ganz furchtbar lieben Besuch von Madanan, dem Nachtelf.
Zweitens hat meine Oma mich entführt. Wir waren in Sachsen und haben ein wenig Ahnenforschung betrieben. Ungeheuer erholsam. Beim Onkel Jochen auf dem Gut Zweihufen gewohnt, viel zu viel zu Essen gekriegt von allen Verwandten, die unserer habhaft werden konnten und außerdem einen ganzen Sack voll mit Familiengeschichten gesammelt, die ich alle aufschreiben werde, wenn ich mal ein bißchen zur Ruhe komme.
Ich hab viele, viele Orte gesehen, an denen der Zauber vergangener Tage noch spürbar war, an denen allerdings auch der Zahn der Zeit und der des Sozialismus ordentlich genagt hatten.
Beispielsweise die alte Ziegelei, die meinem Großvater gehört hat. Die Türen des Wohnhauses standen weit offen und die Fenster waren kaputt. Wir sind mal reinmarschiert und haben geguckt. Hätten wir lieber nicht tun sollen.
Furchtbar, wie Häuser verwahrlosen, wenn man sie nicht ständig hegt und pflegt. Traurig, wie ganze Ortschaften zu Ruinen werden. Aber gleichzeitig schön, zu sehen, was alles gemacht wird und wie graue Häuser sich zu stattlichen Villen mausern können.

Ich schau grad aus dem Fenster und stelle fest, daß es immer noch regnet. Will das denn gar nicht mehr aufhören? Kurz vor seinem endgültigen Ende zeigt der diesjährige Sommer noch mal mit aller Macht, wie wenig sommerlich er sein möchte.
Im Grunde ist dieser Tag verloren. Das fing schon heute morgen um sieben an, als ich dazu beordert wurde, die Rabea in die Schule zu bringen, damit das arme Kind trockenen Fußes dort ankam. Und das nachdem ich gestern nacht bis halb vier geschmökert habe. Wann hab ich eigentlich mal Ferien?
Gegen zwölf wurde ich dann grausam aus dem Bett geworfen, in das ich mich wieder begeben hatte und bin botengängig durch die Gegend gesaust.
Hab Wasser geholt und Gemüse gekauft und getankt und Rabea wieder abgeholt. *Seufz*
Mehr und mehr komm ich mir vor, wie ein unterbezahlter Privatkutscher. Ständig muß ich mich verstecken, um den unzähligen Aufträgen zu entgehen.
Jetzt zum Beispiel sitze ich still und leise im Arbeitszimmer und versuche so geräuschlos wie möglich zu tippen, damit ja niemand auf mich aufmerksam wird. :o)

Die DC verbrüdert und verschwägert sich mit ungeheurem Elan. Die Verwandschaftsbeziehungen entwickeln sich in einem Tempo, daß einen ganz wirr im Kopf macht.
Tzwenny und Melle sind verlobt. Ducky hatTzwenny adoptiert und Tinka ist die Mutter von Ducky. Glaub ich. Walt ist der geistige Vater von Gustav und mit dem ist Ducky verlobt. Zauberfee ist Schwester von irgendwem. Das Eumel ist ein Vierteljahrhundert alt und damit prädestiniert für die Rolle der Clanurgroßmutter.
Ich denke, ich habe hier elementar den Faden verloren. Informiert mich, wenn ein Stammbaum vorliegt.

Melody funktioniert alle Geschäftsreisen zu DC-Treffen um. Im November in München. Und Sylvester sowieso in Berlin. Am besten halt ich mir mal alle Wochenenden bis 2002 frei, um Terminüberschneidungen zu vermeiden.
Wie sieht's Ostern aus? (Ich möchte dann das Ei verstecken!) Weihnachten? Wollt Ihr alle zu meinem Geburtstag kommen?

Kußhand nach Heidelberg

Am Bahnhof

sparrow | 14. September 1998, 22:31 | Kolumnen | [0] Kommentare



Schön, dachte man sich, als bekannt wurde, daß die Deutsche Bahn AG neue Fahrpläne einführen wollte. Schön, vielleicht kommt man ja jetzt schneller woanders hin.
O.k., dachte man sich, als der Tag x auf den 24. 05. 1998 gelegt wurde. O.k., irgendwann müssen sie es ja machen. Wenn man neue Fahrpläne hat, muß man sie auch einführen. Macht Sinn.
Auch an jenem Tag selber dachte man sich noch nichts Böses. Es war ja auch ein so netter Tag. Dann jedoch der Schlag. Ich weiß wovon ich rede, denn ich habe es hautnah miterlebt. Folgende Situation also, aus Sichtweise einer Betroffenen.

17.42: der IC nach Hannover steht im Bahnhof Hamm und gutgelauntes Zugpersonal wartet begierig darauf, mich bequem nach hause zu bringen. Leider warten etwa zwanzig andere gut gelaunte Menschen ebenso begierig darauf, einen der Sitzplätze zu ergattern. Diese sind jedoch schon von anderen gutgelaunten Personen okkupiert worden, die so schlau waren, früher einzusteigen.
Der allgemeinen Stimmung tut das jedoch keinen Abbruch und wir lassen uns fröhlich auf dem Boden der Waggons nieder. Zwanzig Minuten später fängt die Sache an, ein wenig unbequem zu werden.
Etwa fünf Leute wollten bereits auf die Toilette, drei in den Speiseraum, zwei in ein Raucherabteil und etwa zehn haben die Suche nach einen freien Platz aufgegeben und sich zu uns gesellt. Das weiß ich so genau, weil jedesmal unzählige Taschen beiseite geräumt und mindestens so viele Leiber umgeschichtet werden mußten. Diskussionen entfachen sich, ob der nächste, der auf die Toilette will, noch durch gelassen werden soll.
Diese Person ist ein kleines Mädchen, das krampfhaft von einem Bein auf das andere hüppelt. Wir haben Mitleid und lassen sie durch.

Gegen 20.10h werde ich langsam nervös. Wir stehen am Mindener Bahnhof. Mein Anschlußzug soll um 20.33h in Hannover losfahren. Die Frau neben mir beruhigt mich. "Die warten doch auf die IC’s."
Na hoffentlich! 20.31h Ankunft in Hannover. Ich schaufle mich durch die Menschenmassen, in der Hoffnung meinen Zug noch zu kriegen. Keuchend schleppe ich meine Reisetasche die Stufen hoch. Verspätung: ca. 45 Minuten. Glück gehabt. Ich gehe und besorge mir ein Mettbrötchen.
Etwa eine halbe Stunde später habe ich zwei Mettbrötchen, eine Pizzazunge, zwei Nuts, ein Twix, sowie einen Apfel verspeist. Ich trank eine Dose Cola und eine halbleere Flasche abgestandenes Mineralwasser. Die Leute am Kiosk kennen mich mittlerweile.

Es scheint, als wären ¾ aller Deutschen heute am Hannover Hauptbahnhof. Der Mop tobt. Ich bewundere die Dame aus dem Lautsprecher., die bereits den dritten Zug mit über zwei Stunden Verspätung ankündigt. Souverän macht sie das, als wäre das alltäglich.
Neben mir läßt sich ein ein Ehepaar häuslich nieder. Schlafsack, Hausschuhe, Zahnbürste... Wohnen auf Zeit bekommt eine neue Bedeutung. Sie holen ihre Butterstullen raus. Ich glaub, ich hab Hunger auf noch ein Twix. Essen aus Langeweile, Frustfraß. Ob das die Taktik war? Einfach die Leute solange warten lassen, bis sie die Bahnhofsgaststätten plündern und die Umsätze in die Höhe treiben? Mag sein.
Ich wickle das Twix aus und betrachte interessiert eine hysterische Dame, die einen Bahnbeamten bedrängt. Wann der nächste Zug nach Frankfurt am Main fährt, will sie wissen. Das höre ich bis hierher. Sie wedelt wild mit beiden Armen und würde den freundlichen Eisenbahner wohl am liebsten an seinem blauen Kragen packen. Dabei kann der doch gar nichts dafür. Er bleibt ruhig, lächelt liebenswürdig und zuckt mit den Schultern. "Woher soll ich das wissen?" Die Dame ist platt, konfrontiert mit derartig freundlichem Kundenservice.
Der Beamte geht lächelnd zu der Gruppe DB-Uniformierter zurück, die sich um ein Ablösehäuschen gescharrt haben. Sie scheinen eine Art internes Betriebsfest zu feiern. Auf jeden Fall kreist eine Weinflasche. So geht das. Gelassen bleiben und das Chaos mit Humor nehmen. Der Zug nach Stendal ist übrigens immer noch nicht da.

Auf meinem Wartebahnsteig steht angeschlagen: ICE nach Berlin Ost über Magdeburg, Potsdam, Abfahrt 19.59. Gegenüber steht der ICE nach Berlin Ost über Magdeburg, Potsdam, Abfahrt 20.00h. Aha. Ich bin ein klein wenig verwirrt.
Ist es wirklich notwendig, zwei ICE’s mit dem selben Bestimmungsort innerhalb von einer Minute losfahren zu lassen? Die Eisenbahner stört das wenig. Sie feiern fröhlich weiter.
Da! Eine erneute Lautsprecherdurchsage. Die Dame verkündet euphorisch, daß der ICE nach Berlin Ost über Magdeburg, Potsdam, Abfahrt 19.59h zwei Stunden Verspätung hat. Ich nicke. Jetzt macht die Planung Sinn. Geschickt eigentlich.
Einen pünktlich und einen zu spät kommen zu lassen. So hat man die optimale Auslastung. Revolutionär fast. Die genauen Vorteile verschließen sich mir zwar, aber ich bin überzeugt, daß es gute logische Gründe gibt.

Wie wohl die Anzeigetafeln aussehen, auf denen die Bahn ihre Verspätung prozentual angibt? Das interessiert mich jetzt doch und ich mache mich auf die Suche nach eben jenen.
Die freundliche Lautsprecherdame unterbricht mich. Der Zug nach Stendal fährt ein auf Gleis 12. Ich stürme los. Die hundert anderen Leute, die brav auf Gleis 10 gewartet haben, auch. Wir treffen uns auf der Treppe. Eine kurze Rangelei, dann ist es geschafft. Endlich im Zug. Endlich nach hause. Endlich weg von den Bahnhöfen. Eigentlich schade.
Ich freu mich schon auf den nächsten Fahrplanwechsel.

Hochschulblatt der FH Stendal, 1998

Mondsüchtig

sparrow | 09. September 1998, 13:43 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Ich bin ein Schaf. Ein riesengroßes Schaf. Ein Schaf aus der Trottelabteilung.Warum? Na deshalb:

Am 27. August hatte Melle Geburtstag. Wie es sich gehört habe ich ihr einen Glückwunschgeschrieben und den zuhause mit dem Windows Editor in eine handliche html-Datei verwandelt (mit rotem Schleifchen, weil Geburtstagsdatei). Diese birmelle.html habe ich auch sauber im Diary verlinkt - nur leider vergessen hochzuladen.Außerdem hab ich den 30. und den 29. August zuhause vergessen, so daß man in Genuß dieser erst am 8. September kam. Jedenfalls zu 50%, da Madame Kellnerin mich rausschmiß, bevor ich den 30. im Netz hatte. Der kommt dann jetzt heute. Oder so. Jetzt hab ich aber alles (fast) richtig. Hoffe ich.
Und natürlich ist Euch allen auch aufgefallen, daß das dämliche Angelfire Pop-up Window verschwunden ist. Weg! Und ich sag nicht, wo ich es versteckt habe. :o)

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Eigentlich bin ich gar nicht da

sparrow | 08. September 1998, 13:41 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Eigentlich hab ich gar keine Zeit. Genau genommen bin ich noch nicht einmal hier.
Eigentlich piesacke ich meinen Besuch mit Stadtwanderungen und dergleichen.
Eigentlich arbeite ich hart an der Gustav-Geschichte, deren Deadline hoffentlich noch nicht abgelaufen ist.
Eigentlich renne ich hin und her und werfe mit Konfetti.
Aber ich lebe. Wenn auch offline. :o)
Gehabt Euch wohl, ihr CybercowboyInnen.