In das erste Morgengrauen hinein verklingt mein Bis Bald. Für zehn, zwanzig Minuten warst Du wieder tief in mir.
Eigentlich hatte ich Dir gekündigt. Fristlos. Oder besser: Habe die Koffer, die Du bereits gepackt hattest, vor die Tür gestellt, diese zugezogen und den Schlüssel dreimal umgedreht.
Allein wollte ich sein mit mir. Die Scherben aufkehren und die Kalendersprüche an den Wänden übertünchen. Alles neu machen.
In die Renovierungsarbeiten hinein klingelt das Telefon. Ich quietsche und lache, bin übermütig. Bin, wie Du mich haben möchtest. Streichle Dein schlechtes Gewissen mit: "Schau, es ist gar nicht so schlimm."
All die Sachen, die ich sagen möchte, sage ich nicht. Sage nicht, daß Du mir fehlst. Erzähl Dir nicht von meiner Wut. Kein Wort von tränennassen Kopfkissen. Wir reden nicht darüber, wie schnell aus einem "Ich könnte Dir niemals weh tun" ein "Ich quäl Dich doch nur" wird.
Will keine Erklärungen, keine Entschuldigungen. Habe Angst vor dem Tonfall in Deiner Stimme, der Resignation verrät. Vor dem "Ich konnte nicht anders und es war das Beste so". Es war nicht das Beste. Für mich nicht.
Nicht, daß ich Dich zurück wollte, mein Gott nein. Das zumindest habe ich geschafft. Erst wartete ich auf Dich. Wartete, daß zurück kommen würde, was wir verloren hatten. Daß Du es und Dich wieder finden würdest. Mal voll Verzweifelung, mal voll Zuversicht.
Dann wollte ich kämpfen, tat das auch, bis mir irgendwann auffiel, daß es nichts mehr gab, für das ich kämpfen konnte. Ich, ein kitschiger, tränenverschmierter Don Quichote der Liebe.
Jetzt möchte ich mich der süßen Erinnerung hingeben, ohne Groll zu spüren, wenn Du Dich in sprachlichen Pirouetten drehst, ohne etwas zu sagen.
Darum möchte ich, daß Du gehst. Habe Deine Bilder von den Wänden und aus meinem Kopf gepflückt. Habe Erinnerungskrimkrams in eine blauseidene Schatulle gelegt, den verletzten Stolz ganz nach unten.
Geh. Das werde ich Dir sagen. Das nächste Mal, wenn Du anrufst. Vielleicht.
Die verlorene Gestalt stand einfach da. Ein müdes Straßenlaternenlicht beleuchtete die düstere Straße, machte die Dunkelheit noch dunkler.
Die Gestalt stand und betrachtete erstaunt ihre wunden Füße. Unter den Füßen zogen sich die unbarmherzigen weißen Mittelstreifen dahin, jene Streifen, die sie bis hierher getrieben hatten. Um das Wesen ließ sich ein Hauch von vergangenem Glanz erahnen.
Jetzt hing das Haar strähnig ins Gesicht und die zerrissenen Kleider waren schon lange nicht mehr strahlenden weiß.
Lange war sie gelaufen, diese befremdliche Person. Völlig erschöpft und dem Ziel noch genauso fern, wie zu Beginn ihrer Reise.
Still und leise begann sie wieder einen Fuß vor den anderen zu setzen, immer genau auf das Weiß der Straßenmarkierung. Den dunklen Asphalt mied sie sorgfältig.
Sie wußte nicht, sondern ahnte instinktiv. Wußte nicht, woher sie kam und wer sie war. Wußte nicht, wohin sie wollte. Aber sie wußte, daß sie früher oder später dort ankommen würde.
Sie wanderte sie bedächtig und lautlos, den Kopf nach unten geneigt. Der harte Weg watteweich unter ihren nackten Zehen. Kein spitzes Steinchen schmerzte. Ein dichter Schutzwall aus klebriger Schwäche erstickte jegliches Gefühl. Die Nervenimpulse versickerten haltlos.
Plötzlich hob sie den Kopf. Die Augen flackerten in tiefen Höhlen.
Ein Standbild aus Granit schaute zurück. Sanft strahlte es in der Düsternacht. Die steinernen Haare waren erstarrt in dem imaginären Windhauch, den nur der Künstler sah. Frei flatterten sie in Unbeweglichkeit. Der Mund war geöffnet, ein Lachen kräuselte sich an den Mundwinkeln. Lautlos perlte es zum Himmel hinauf.
Den Kopf in den Nacken gelegt betrachtete das Geschöpf die Skulptur, deren Züge so sanft schienen, als wäre es Samt und kein Stein.
Erinnerungsschwaden wabberten zwischen den Schemen. Sehnsucht stieg auf, fast greifbar materialisiert. Weit geöffnet waren die Arme der Statue, als lüde sie die ganze Welt ein, an der eigenen Freude teil zu haben. Die Gestalt schmiegte sich hinein.
Und endlich, endlich begann der Regen zu fallen.
Eigentlich ist heute schon der 12. Januar, weil 19 Minuten nach Mitternacht. Da ich Tagende und Anfang aber immer über meinen Rhythmus definiere, gehört dieser Eintrag zum 11. Jänner.
Das bedeutet de facto, daß es auch schon mal passieren kann, daß ich nachmittags um eins jemanden mit einem fröhlichen guten Morgen begrüße, einfach weil ich erst vor einer Stunde aufgestanden bin.
Wunschdenken, wie ich feststellen mußte, als ich einen Blick auf die Klausurtermine warf. Da wartet eine ganze Menge Arbeit auf mich, bis März. Dazu kommen diverse Kleinigkeiten, wie eine Studentenratswahl, ein Fachhochschulball und ein Auslandsaufenthalt, die es zu organisieren gilt. Nebenher möchte ich Niederländisch lernen und meine Seite renovieren.Ich hab ja jetzt die erforderlichen Werkzeuge. :o)
Ein neuer Bewohner ist in meine Gefilde gezogen. Ein niegel nagel neuer Computer. Wunderschön und furchtbar schnell. Technische Details teile ich auf Anfrage gerne mit.
Im Hintergrund plärrt das Radio Eros Ramazotti. Ich plärre leise mit. Zumindest eines hat der Italienischunterricht in der Schule gebracht. Ich kann italienische Liebeslieder mitträllern.
Eigentlich wollte ich den längst überfällig Sylvesterbericht (Sylvester? Silvester?) abliefern.
Früh morgens bin ich aufgestanden am 31. - viel zu früh für meinen Geschmack. Insbesondere, wenn man beachtet, daß ich am Abend zuvor bis zwei Uhr nachts vor dem Fernseher gehangen habe. Wollte doch in keinem Fall die Wiederholung von Baywatch verpassen.
Also um sechs aus den Federn und in den vollbepackten Polo meiner Mama gestiegen. Ich hatte alle Eventualitäten berücksichtigt. War mit Berlinkarte und Autoatlas, sowie einer Kanne Tee bestens ausgerüstet. Das, was ich nicht bedacht hatte, war die Kombination von einer gräßlichen Innenstadt und meinem katastrophalen Orientierungssinn.
]Harlequin wartete bereits besorgt am Bielefelder Hauptbahnhof, den ich nach stundenlanger Sucherei tatsächlich irgendwann fand. Ich hatte ihn die ganze Zeit großzügig eingekreist, bis er irgendwann keine Chance mehr hatte. (Der Bahnhof, nicht der Harlequin)
Möchte übrigens bemerken, daß die Bielefelder Bevölkerung ausgesprochen hilfsbereit ist, jedenfalls der Teil (knapp drei Dutzend Leute) den ich gefragt habe. Sie alle hatten nur vergessen, mir den entscheidenden Abzweig zu nennen.
An dem bin ich gut ein Dutzend mal vorbei gekurvt. Mit wildem Blick hab ich dann den Harle aufgegabelt. Der Arme traute sich kaum, mich zu begrüßen, so genervt sah ich bereits aus. Und da war es noch nicht einmal neun Uhr.
Stendal dagegen fand ich problemlos. Einfach immer A2 und dann irgendwann abbiegen und den Schildern folgen.
Nachdem der Inhalt des Autos sicher in meiner Wohnung deponiert worden war, fuhren wir los in Richtung der Stadt, wo das Leben tobt. Bezüglich dieser war ich blendend ausgestattet mit genauester Wegbeschreibung vom Ei und exzellenter Karte. (Danke Oma, für die freundliche Leihgabe. Wüßte nicht, was ich ohne gemacht hätte. :o)
Vor der eischen Behausung trafen wir eine verlorene Gestalt, die sich krampfhaft an ein Handy klammerte. Stefan, der gerade auf dem besten Wege war, DIE Party des Jahres zu verlassen, um eine Kontrafete zu starten.
Wir natürlich wußten, wo wir hingehörten und stapften gut gelaunt und frohen Mutes hinauf, um Tinka und das Ei zu begrüßen. Dort stellten sich bereits die verheerenden Ausmaße da, die eine unbedachte Äußerung provoziert hatte. Nämlich: "Bringt alle irgendwas zu trinken mit!"
Harlequin hatte diverse Sektflaschen gebunkert, ich hatte Zutaten für einen Eiergrog mitgebracht, mit dem man eine ganze Kompanie dem Rausch hätte übergeben können. (zwei Flaschen Rum, vierzig Eier und diverse Tüten mit Puderzucker.)
Dazu kamen die Mitbringsel von Tinka und den Sachen, die das Ei selbst in weiser Voraussicht besorgt hatte.
Dazwischen tummelten sich kleine Eier, diverse Off- und Onliner. Chaos, in das wir uns nahtlos einfügten.
Nachdem dann eine frisch geduschte Olive, nebst melodiösem Anhang eingetroffen waren, konnten wir übergangslos zum Fondue übergehen.
Folgendes war festzustellen:
- Straußenfleisch ist nicht nur eßbar, sondern auch bekömmlich.
- Bei Fondue sollte darauf geachtet werden, daß immer nur EIN Pickser von jeder Farbe vorhanden ist. ("Der Schwarze gehört mir!")
- Oliven nehmen, was sie kriegen können. ("Grün ist gut!")
- Melody sollte nicht in Nähe des Käses stationiert werden. ("Mit Marshmellows ist Käsefondue klasse!")
- Tinka kann auch mit vollem Mund dumme Sprüche reißen.
- Immer erst kontrollieren, ob die eigenen Pickser alle auf dem Teller liegen, bevor man großspurig verkündet, der Letzte müsse den Topf mit dem Öl zum Frühstück essen.
Dann kam die große Aktion mit dem Eiergrog. Der erste Versuch war nicht soo unbedingt gelungen. ("Ist das Fruchtfleisch?") Der zweite dafür um so besser. Den haben Tinka und ich zu großen Teilen dann auch sofort in der Küche vertilgt. Aus Rache, weil die anderen unsere unglaublichen Mühen nicht gewürdigt hatten. Hätten wir vielleicht nicht tun sollen. *hust*
Das Ei stellte im Laufe des Abends seinen Mac vor und man mußte feststellen, daß die Zauberfee noch nicht einmal durch Sylvesterparties und Alkoholgenuß davon abzuhalten ist, Mails an die Liste zu schreiben.
Großes Geknalle um Mitternacht, Feuerzangenbowle morgens um vier...
Fazit: War wie üblich viel zu schnell vorbei und ich freu mich wahnsinnig darauf, Euch alle wiederzusehen.
Für 1999 allen, die mir lieb sind, nur das Beste.