Baum

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a sparrow, not a feature

Gone with the Herd

sparrow | 15. April 1999, 13:03 | ganz alter Kram | [0] Kommentare

Suedafrikanisches Diario


Es gibt Leute, die mag ich einfach. Weil sie Sinn fuer Humor haben, Ironie verstehen und ausserdem immer unverbluemt und ehrlich ihre Meinung sagen. Sowas schaetze ich.
Alle diese Leute stossen von Zeit zu Zeit wilde Drohungen aus, was sie als naechstes tun und fabrizieren werden. Meine liebe Freundin Sindy redet beispielsweise derzeitig davon 'auszusteigen'.
"Einfach in ein Auto und los!" sagt sie mit einem Funkeln in den Augen, dass mir Angst macht. Bei Sindy ist zu befuerchten, dass sie tatsaechlich ernst macht.

Da ist noch jemand anderes, der ewig lange gedroht hat. Solange, dass ich schon fast nicht mehr dran geglaubt habe. Pustekuchen. Wenn Abs sagt, er baut eine Homepage, dann tut er das auch. Und richtig gut ist sie auch geworden. :o)
Ich muss diesen begnadeten Zeichner mal davon ueberzeugen, dass er einen Spatzenzyklus fuer mich malt. Vorzugsweise einen, wo der Spatz besser wegkommt, als der Osterhase. *grins*

Heute morgen wurde ich Zeuge, wie unser Herd abgeholt wurde. Das ist in soweit ganz in Ordnung, da nur eine Herdplatte funktionierte.
Fatal allerdings, wenn man bedenkt, dass der Ofen auch nicht funktioniert. (Den hat man abgeschaltet, weil er zu dreckig war.)
Die werten Herren sicherten zu, dass der Herd bis heute abend wieder da waere. Oder morgen, wenn sie es heute nicht mehr schaffen wuerden. HA!!
Nach meinen einschlaegigen Erfahrungen mit der afrikanischen Arbeitsmentalitaet gehe ich nicht davon aus, dass wir den Herd sobald wiedersehen.
Welch ein Glueck, dass Claudia und Mike gleich nebenan wohnen. Claudia ist eine famose Koechin. Ich schaetze, die beiden werden von nun an, recht haeufig Gaeste haben.

Vom anderen Ende der Welt

sparrow | 06. April 1999, 12:59 | ganz alter Kram | [0] Kommentare

Suedafrikanisches Diario



Einmonatige Diario - Pause ist genug. Die Pause allerdings hab ich bestens genutzt. Wer haette gedacht, dass es offline soviel Interessantes gibt? :o)
Sued Afrika ist so wunder-, wunderschoen, dass ich manchmal kaum zu atmen wage, aus Angst aufzuwachen.
Bevor ich Euch mit all meinen Abenteuern begluecke, moechte ich meinen Eltern danken, die mir diese Erfahrung moeglich machen. Danke, danke, danke. Tausendmal.

Der Flug hierher ging ohne Probleme von statten, wenn man mal von kleineren Komplikationen absieht. (Wie zum Beispiel die Tatsache, dass keine Sindy in Paris auftauchte, wo das Flugzeug nach Johannesburg wartete. Die war naemlich in Berlin stecken geblieben und erreichte Charles de Gaule genau fuenf Minuten nach elf. Exakt die fuenf Minuten nach elf, die den Unterschied zwischen Flugzeug kriegen und nicht kriegen ausmachten. Sie kam dann einen Tag spaeter herzlich genervt in Pietersburg an.)
Derzeitig residiere ich in der University of the North in einem wunderschoenen, riesigen Haus, das wir zwei beide voellig allein bevoelkern. Abgesehen von einigen Nebensaechlichkeiten (diverse Engpaesse, was das Kuecheninventar betrifft) ein absoluter Luxusbau. Wir koennen all abendlich zwischen drei Badezimmern auswaehlen und haben ein Wohnzimmer, das alleine schon groesser, als meine komplette Wohnung ist. Von den fuenf Schlafzimmern, dem Kaminzimmer und der Veranda gar nicht zu reden.

Momentan sind wir schwer damit beschaeftigt, uns ueber die Osterfeiertag zu vergnuegen. Mit von der Partie ist Rabsi, die den Mut hatte, ganz allein und ohne Mama mal eben nach Afrika zu fliegen, um die grosse Schwester zur Verzweifelung zu treiben. (Tut sie eigentlich gar nicht, die suesse Maus. Ich sag nur Suedafrikanische Parties und "Hier dreht sich alles!" - kleiner Insider, fuer den sie mich wahrscheinlich hauen wird.)

Heute hatten wir eine sehr erquickliche Wasserschlacht, die sich bedauerlichweise irgendwann ins Haus verlegte. Einige Schraenke und diverse Outfits wurden in Mitleidenschaft gezogen. Aber nichts ist so zuenftig, wie eine ordentliche Wasserschlacht.
Mike von dem Haus nebenan betrachtete uns quietschende Weiber mit sichtlichem Vergnuegen. :o)

Samstag haben wir uns den Luxus gegoennt, mit einem Mietauto durch ein Wildreservat zu fahren. Was haben wir nicht alles gesehen. Zebras und Giraffen und Gnus und Schildkroeten, ein Hippo und gar das Hinterteil eines Rhinos, das da friedlich am Wegesrand graste. Hab ich alles phototechnisch festgehalten.
In solchen Momenten fehlt mir Lorenz mit seinem fuenf Kilo Phototaeschen und dem Polfilter. Seine Photos wuerden das Beste aus der Situation rausholen, waehrend ich immer hoffe, das meine nicht verwackeln. Scharf sind sie ja, dank Auto Focus. (Und wir werfen uns auf die Knie und danken dem Erfinder desselbigen, auf das er im Himmel einen blauen Stuhl mit Sternchen bekommt.)

Das ist allerdings nicht der einzige Moment, in dem er mir fehlt. Nur, das keine Missverstaendnisse aufkommen.

Mittwoch werden wir uns gen Joburg aufmachen (so heisst Johannesburg, wenn man cool sein moechte - und das moechte ich natuerlich), um das Rabsi sicher in den Richtigen Flieger zu setzen. Und selbstverstaendlich auch, um an ein paar afrikanische Kunstgegenstaende heranzukommen.
Geschickt gehandelt und schon bekommt man den allerschoensten Spazierstock, reich geschnitzt und ein wahres Meisterwerk, fuer quasi nix. Will heissen fuer 100 Rand. Was bin ich doch fuer ein Fuchs. Ein Profi auf dem Gebiet des Handelns. Jaja.

Euch allen sei weiterhin schoenes Fruehlingswetter beschert. Ich werde weiterhin mich auf den Winter vorbereiten, waehrend ich Lichisaft schluerfend bei 28 Grad auf der Veranda liege.
Was werdet Ihr mich alle um meinen karamelfarbenen Teint beneiden. (Sonnenbrand? Ach was! Ich doch nicht. Niemals nimmer nicht. Wer? Auf den Fuessen? Weil nicht eingecremt? So was passiert doch nur Schwachkoepfen!)

Not so very nice people in Joburg

sparrow | 04. April 1999, 13:01 | ganz alter Kram | [0] Kommentare

Suedafrikanisches Diario


Letztes Wochenende (wir hatten jenes etwas frueher angefangen, hoehoe. waren wir in Johannesburg. Was fuer eine Stadt. Eigentlich sollte dies jetzt ein begeisterter Bericht werden mit einer genauen Schilderung von Soweto und Mandela's Haus und all den wundervollen, interessanten Menschen, die wir getroffen haben. Leider kam es am letzten Abend etwas anders.

Wir hatten Rabea sicher zum Flughafen gebracht und wollten uns noch schnell am Supermarkt an der Ecke etwas zu essen besorgen. Gesagt, getan und los marschiert.
Etwa zwei Blocks von unserer Jugendherberge entfernt sprach uns ein Knilch an. Richtig gutes Haschisch koennte er uns besorgen.
Sowohl Sindy, als auch mir wird von dem Geruch von Joints kotzuebel, also lehnten wir hoeflich, aber bestimmt ab. Er indes liess nicht locker. Wir sollten uns nur mal anschauen, was er zu bieten habe, sagte er und lief hinter uns her. Bald hatte er aufgeholt. Wieder erklaerten wir ihm, dass wir schon aus Prinzip nicht rauchten und daher auch keine Joints brauchten.
Nun ging er neben uns, waehrend wir unsere Schritte beschleunigten.
"Don't make me mad. I gonna stab you like minced meat."
Ich nahm ihn nicht sonderlich ernst, da er ein eher kleiner Kerl war und schaute ihn verdutzt an. "Why would you want to do that?"
"Cause I need money!"
Wir legten noch einen Zahn zu, waehrend er weiter erzaehlte. Er wuerde uns die Augen ausstechen und wir koennten ruhig schreien. Bevor wir die Ecke erreichten, waeren wir schon tot. Ob wir die Leute dort drueben saehen?
Er zeigte auf eine Gruppe Maenner, die an ein paar Autos lehnten. Die wuerden ihm glatt dabei zugucken, ohne einen Finger zu ruehren.
Nun bekamen wir es doch mit der Angst zu tun. Wir hatten zuviel von dem Johannesburger Strassenleben gehoert, um zu glauben, dass er keine Waffe bei sich hatte. Und ehrlich gesagt hatte auch keine von uns eine Nahkampfausbildung. Nach rascher Verstaendigung beschlossen wir, ihm unser Bargeld auszuhaendigen. Nach der ausfuehrlichen Einkaufstour am Vormittag nur noch 50 Rand, was noch nicht einmal 20 DM sind.
Jetzt nichts wie weg von hier, bevor er doch noch auf die Idee kam, sein Messer zu ziehen. Sindy war bereits zwei Schritte vor mir, als er mich ruede am Kragen packte.
"Gimme your jacket!"
Inzwischen war ich so von der Rolle, dass ich nicht mehr klar denke konnte. Ich schaute ihn nur an und fragte mich, was er mit meiner Jacke wolle, da er doch selber eine schoene habe. Zumal es gar nicht meine war. Lorenz hatte mir seine wunderschoene Lederjacke geliehen.
Ich versuchte ihm das auch sehr vernuenftig zu erklaeren, aber kam nicht zu ihm durch."Take off your jacket, bitch!" zischte er mich an, und riss die Jacke von meinen Schultern. Ich war wie gelaehmt, bis er in seine Tasche griff. Kein Messer. Bitte, bitte kein Messer.
Sindy war inzwischen zurueck gekommen und stand genauso bebend wie ich neben mir. Ich zog die Jacke aus und beobachtete noch, wie er unsere Portemonaies aus unseren Haenden riss und davon lief.
Wir liefen auch. So schnell bin ich in meinem Leben noch nicht gerannt. Dann das uebliche. Kreditkarten sperren lassen, Polizei anrufen, (Die kommt in Johannesburg wegen einem gestohlenen Portemonaie nicht rum. Wenn wir tot gewesen waeren, dann ja.. aber so...) Die Jugendherbergsleute nahmen uns alles aus der Hand. Ich glaube nicht, dass wir noch zu irgendetwas faehig gewesen waeren. Auch das mit der Rechnung konnten wir irgendwie regeln. Jemand fand sich, der in Richtung Norden fahren wollte und uns mitnahm nach Pietersburg. Geld fuer den Bus hatten wir ja keines mehr.
Wenn man es genau betrachtet, haben wir verdammtes Glueck gehabt. Keine von uns ist verletzt. Wir sind nicht vergewaltigt, abgestochen oder getoetet worden. 50 Rand in Cash und eine alte Lederjacke. Dazu Fuehrerschein, Perso, Kreditkarte. Was man halt so in seiner Boerse traegt. Was allerdings bleibt ist der Schock. Das Gefuehl, nur noch zu hause sicher zu sein. Jedem, der einen anschaut, das Schlimmste zu zu trauen.
Ich bin es nicht gewoehnt, mit koerperlicher Gewalt zu irgendetwas gezwungen zu werden. Und ich bin es auch nicht gewoehnt, beschimpft zu werden. Jemanden ernsthaft verletzen kann ich auch nicht. Das sollte ich lernen. Schnellstens.
Gigi hat versprochen, uns so ein Totschlaegerspray zu besorgen. Und gleich, wenn ich nach Deutschland zurueck komme, werde ich einen Selbstverteidigungskurs machen.
Seid so nett, und haltet mir die Daumen.