Baum

www.nestgroll.de
a sparrow, not a feature

Pech gehabt

sparrow | 26. Juni 1999, 13:12 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Rein hypothetisch: Mal angenommen, ich hätte, während ich mich im Ausland rumtrieb, jemanden kennengelernt, der mir..äh.. sympathisch wäre. Einfach nur mal angenommen.
Jetzt nehmen wir das Ganze mal mit Murphy und schätzen pie mal Daumen, wie groß die Chance ist, daß besagter jemand auf seiner Homepage die Frau seines Lebens anpreist?
*Vor sich hin maul*

Zettelerinnerungskram

sparrow | 24. Juni 1999, 13:11 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Ach, was ist das Leben schön. Den ganzen Tag hab ich heute in Kölle bei dat Lori verbracht, eine ganze Packung Negerküsse und eine halbe Tüte Chips gefuttert und mich so ganz rund um pudelwohl gefühlt.
Außerdem hab ich mit meinem unvergleichlichen technischen Sachverstand ein Schuhregal von IKEA zusammen gebaut. Heissa, war das ein Spaß. Ich find, das Schönste an IKEA und Miko Möbeln ist doch, daß man sie selbst zusammen friemeln darf.
Wenn man auf schmerzenden Knien auf dem Wohnzimmerboden herumrutscht, den Himmel um einen Schraubenschlüssel Größe 9 anfleht und das vorher zusammengesetzte Regal mit lautem Krachen auseinander fliegt, dann ja dann weiß man, daß man lebt. :o)

Mama hat mir den Auftrag erteilt, meine diversen Pappkartons durchzusehen. (Umzugsüberbleibsel!)
Merke: Auch Deine Kinder werden eines Tages ausziehen und ihr Zeugs auf Deinem Dachboden und in Deinem Keller lagern. Was hab ich nicht alles weggeschmissen. Zum Beispiel den kleinen Schuhkarton mit gesammelten Briefchen und schlechten pubertären Gedichten.
10 Jahre Zettelchen aus meiner Schulzeit (lang lang ist's her) hab ich einfach so dem Papiercontainer übergeben. Rabea hat verzweifelt versucht wenigstens eines meiner Gedichte für die Nachwelt zu sichern, (mein 40. Geburtstag wäre zum Beispiel eine passende Gelegenheit einiges zu rezitieren) aber ich war unerbittlich.
Soweit kommt es noch, daß ich auf einer großen Feier bis auf die Knochen blamiert werde.
Außerdem hab ich die New Kids on the Block Kassetten wiedergefunden (die Prä-CD-Zeit). Die werde ich behalten und irgendwann meinen Kindern vorführen.
Genauso das kleine Blumenbouquet zum ans Handgelenk klemmen, daß ich von B.J. Holland anno dazumal zur Prom bekommen habe. Getrocknet liegt es schnuckelig in einer kleinen Pappschachtel.
Rabsi sagt, wenn ich das tatsächlich meinen Sprößlingen vorführe, werde ich arge Probleme habe, meine Autorität zu sichern. Ich werde meine Nachkömmlinge aber mit Sicherheit zu träumerischen Zynikern erziehen, die einen kleinen rosa-romantischen Anstrich haben und den bleibenden Wert eines kleinen Rosenstraußes erkennen.
Von einem durchgeknallten Pragmatiker wie Rabea kann man solches Feingefühl natürlich nicht verlangen.

Müdigkeit, ganz unbegründet

sparrow | 23. Juni 1999, 13:09 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Heute ist der 23. glaub ich. Ich bin so müde, daß ich nur mit Müh und Not die Augen offenhalten kann. Genaue Datenangaben sind in meinem Zustand nicht mehr drin. Welch ein Glück, daß ich blind tippen kann, sonst hätte ich ein kleines Problem. Ich weiß gar nicht, warum ich so furchtbar erschöpft bin.

Gut, gestern abend ist es ein wenig später geworden. Lorenz hat seine legendäre Pizza gebacken und wir haben dann bei Rabsi im Zimmer Videos angeschaut. Spaßig war's. Heute hab ich meiner Oma im Büro geholfen. Morgen früh holt Lorenz mich ab und wir fahren nach Köln.
Monsieur hat nämlich dem Unneraner Kleinstadtmief den Rücken gekehrt und ist ausgewandert. Große weite Welt aufgepaßt. Besonders die Gegend rund um den Dom. :o) Morgen will er dann die Ikea-Beute möglichst geschmackvoll in seiner winzigen Wohnung unterbringen. Nachmittags bin ich wieder zum Bürodienst eingeteilt.

Ich schaffe überhaupt nichts mehr, dabei wollte ich doch eigentlich soviel machen. Wollte das Spatzennestjubiläum in Ruhe vorbereiten, wollte die Südafrika Geschichten aufschreiben und diverse andere Dinge tun, für die ich normalerweise keine Zeit habe. Hab nur leider bei meiner Planung vergessen, daß ich ehrenamtlicher Chauffeur für meine Familie bin. Und außerdem Bürosklave. (ein Scherz! Wirklich nur ein kleiner harmloser Scherz!) *tiefseufz

Wie kommt das nur, daß jeder klagt, er oder sie habe zu wenig Zeit. Eigentlich habe ich genug Zeit. Ich kann sie nur nicht so nutzen, wie ich es gern täte.

Meine e-mail hab ich auch schon seit über einer Woche nicht mehr kontrolliert. Glücklicherweise kriegen wir diese oder nächste Woche einen Internetanschluß zuhause. Also quasi im Haus. Keine Trips zum i-cafe mehr, keine teuren Getränke (die Flasche Wasser kauf ich im Vorratskeller. Da ist es am billigsten. :o), keine Wartezeiten und vor allen Dingen ICQ!!! Zivilisation! Fortschritt! ICQ hat mich wieder.

Miniparty

sparrow | 20. Juni 1999, 13:08 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Herrje, ich strecke meine müden Glieder und versuche verzweifelt mich wieder an die korrekte Stellung des Z und Y zu gewöhnen. Drei Monate Buchstaben an falschen Stellen machen sich halt doch bemerkbar. Außerdem muß ich mal mit meinem Papa über die korrekte und nackenfreundliche Positionierung eines Bildschirms diskutieren.

Die Miniparty gestern war wie erwartet wunderbar. Es ist immer wieder schön liebe Menschen wiederzusehen. Ich finde, das ist sowieso das Schönste am Nachhausekommen. Sich kreischend in die Arme fallen und fröhlich knuddeln.

Mein Vater erlag fast einem spontanen Herzanfall, als er die Massen Wein sah, die Harlequin in seinem Bundeswehrrucksack ankarrte. Der hatte nämlich ganz schlau und vorausschauend auch die Flaschen mitgebracht, die er im Laufe des Abends zu zerdeppern gedachte.
Tatsächlich hat er sich zurück gehalten. Nur eine Flasche californischen Weißweins fiel seiner rabiaten Art zum Opfer.

Rabea ist nominiert für den Spruch des Abends. Mit großen Augen schaute sie ihn an und fragte: "Redest Du soviel, weil Du Minderwertigkeitskomplexe hast, oder weil Du Dich so toll findest?" *dickesfettesLol*

Melody und Olive erschienen fashionable late und besichtigten auch noch eine BP-Tankstelle. Wozu halt ich mich eigentlich mit Wegbeschreibungen auf?
Mein Kumpel Patrick hat mal gesagt, er würde demjenigen eine Flasche Sekt ausgeben, der es auf Anhieb schaffte mittels meiner Wegbeschreibung den richtigen Weg zu finden.
Allerdings sind diverse andere Leute auch nicht schlecht: "Wenn Ihr auf der A xy seid, fahrt die Abfahrt Soundso raus. Wenn ihr nicht auf der A xy seid, versucht halt irgendwie zu 'ner Ausfahrt zu finden.." Ah ja.

Rabsi hat sie dann mit dem Roller eingesammelt. Wäre ja noch schöner, wenn die sich bei BP amüsieren würden. Als ich in der zwölften Klasse war, trafen sich da immer die Prolls um über ihre Autos zu reden und überteuertes Bier zu trinken. Ich laß die Information mal so stehen. Zieht Eure eigenen Schlüsse.

Dank Olives famosen Grillkünsten schmeckte auch das Essen. Eigentlich sollte es ja ein richtiger südafrikanischer Braai werden. Ich hab allerdings beim Pap gekniffen. Pap ist eine Maismehlpampe, die genauso schmeckt, wie sie heißt und angeblich immer dann am Topf anpappt (daher der Name schätze ich), wenn man es am wenigsten brauchen kann. Und es gab kein verbranntes Hühnchen. Dafür hatte ich Biltong mitgebracht. Also war es mehr so ein semi-Braai. Aber lustig war's.

Harlequin darf trotzdem nicht bei uns einziehen.

Heimatgefühle

sparrow | 17. Juni 1999, 13:07 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Home sweet home, Deutschland hat mich wieder.
Und meine liebe, liebe Lieblingsschwester auch. Macht es mit jemandem anderes, soviel Spaß, durch die Spielzeugabteilung bei Schnückel zu streifen? Antwort: NEIN!! Rabsi, ich kauf Dir zum Geburtstag den Barbie Roller. :o)

Fein ist es, ein deutsches Keyboard zurück zu haben, obwohl ich mich immer mit dem z und dem y vertue. Aber Umlaute.. UMLAUTE!! Yeah! üüü äääääh. Wonne.

Hey, ich hab für Samstag schon mal Joghurtschoki besorgt. *bestimmte Leute treuherzig angrins*

Zwischen Himmel und Erde

sparrow | 13. Juni 1999, 20:29 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Ein gemeinschaftliches 12-stündiges Saufgelage unter Anleitung hat uns zusammen geschweißt. Jetzt sitzen wir gemeinschaftlich in einem Lokal, grölen immer mal wieder die erste Refrainzeile von Totos "Africa" und fühlen uns rundrum wohl. Beduselt, satt und wunderbar leicht.
Typische Tourikonversationen. "Was macht ihr morgen?" "Och.. " sagen wir. Den Tafelberg haben wir hinter uns. Cape Point und Cape of Good Hope haben wir angeschaut. Die Waterfront bleibt und Robbenisland. Einmal einen Blick in Nelson Mandelas Gefängniszelle werfen und dann verwerflich viel Geld ausgeben auf der Shoppingmeile.
Die vier Amerikanerinnen nicken sich zu. "Wir werden sky-diving gehen."

Ich ziehe pflichtschuldig beeindruckt meine Augenbrauen hoch. Blicke zur Seite und erstarre. Sindys Augen leuchten und ich bin mir ziemlich sicher, daß dieses nichts Gutes zu bedeuten hat. Bitte, bitte, bitte nicht. Da kommt es auch schon. "Sollen wir auch...?"
Ich kratze verzweifelt meine Argumente zusammen. Erstens wollte ich dringend das Gefängnis sehen, zweitens hab ich noch zu viele Rand, die ich ausgeben muß und drittens, was kostet das denn überhaupt?
Angesichts des genannten Preises kann ich mich ruhigen Gewissens in meine bedürftige Börse zurückziehen. Das kann ich keinesfalls bezahlen.

Sindys Augen leuchten immer noch. Irgendwie scheint sie von meiner ausgeklügelten Argumentation nicht überzeugt zu sein.
"Ich schenke es Dir zum Geburtstag!" schlägt sie tatendurstig vor. Ich hüstle verzweifelt in meine Serviette. Höhenängstlich, wie ich bin kriegen mich keine zehn Pferde in ein Flugzeug, daß ich dann im freien Fall wieder verlassen soll.
Zehn Pferde sind auch gar nicht nötig nur eine unternehmungslustige Reisegefährtin, die sich außerdem durch einen eisenharten Dickkopf auszeichnet. Sie geht morgen Skydiving. Punktum. Wenn ich zuviel Angst hätte, könnte ich ja unten stehen bleiben und zugucken.
So weit kommt es noch, daß ich wartend am Boden bleibe, während meine Freundin sich in die Tiefe stürzt. Wenn, dann gemeinsam in den Tod.

Der nächste Morgen kommt viel zu schnell. Pünktlich um neun Uhr werden wir abgeholt und zu einem kleinen Flughafen gefahren.
Eine umfangreiche Einweisung durch unsere Springpartner bereitet uns vor. Wir üben Trockenspringen aus der geparkten Cessna, setzen probeweise Fliegerbrillen auf, schauen Videos.
Man erklärt uns die richtige Körperhaltung: Beine anwinkeln und Arme ausstrecken. Um die Öffnung des Fallschirms müssen wir uns nicht kümmern. Wir werden einem Profi vor den Bauch geschnallt, der sich dann um die sanfte Landung kümmert. Tandemspringen nennt sich das. Und sollte unsern Tandempartner ein spontaner Herzinfarkt ereilen, gibt es einen Ersatzschirm, der sich automatisch kurz vor dem Boden entfaltet.
Aha. Vertrauenserweckend.

Ein anderes Pärchen springt vor uns. Gemächlich landen sie auf dem Sandplatz vor der Blechbaracke.
Während fleißige Helfer die bunten Schirme sorgfältig zusammenfalten, gibt man uns Anweisung für die letzten Vorbereitungen. Schokolade sollen wir essen. Schokolade? Das beste Mittel gegen den Adrenalinrausch. Angeblich ist schon mal jemand ohnmächtig unten angekommen, weil er keine Schokolade gegessen hatte. D
as soll uns nicht passieren. Wir stopfen uns mit Süßem voll und ziehen uns die kleidsamen orangefarbenen Overalls über.
Der Pilot stellt sich vor und scheucht uns in Richtung der winzigen Cessna, die einen wenig zuversichtlichen Eindruck macht. Viel dünnes Blech, abblätternde Farbe und eine Seite ist offen.
Meine Reisegefährtin ist fixer als ich und sichert sich den Platz auf der geschlossenen Seite. Ich muss außen sitzen.
Unsere Tandempartner quetschen sich hinter uns und dann heben wir ab.

Bei 3000 Fuß zerre ich mir meine Schutzbrille über den Kopf. Mein Ohrring verfängt sich im Gummiband. Einmal kräftig gezogen und schon fliegt eine kleine goldene Scheibe in Richtung der streichholzkleinen Akazien unter uns.
Ich schlucke. Ich habe weiche Knie. Ich will nach Hause.
Doch schon steht mein Fuß auf der Kufe, beide Hände - wie geübt - and der Tür. Ein kleiner Schubs meines Partners und dann...
.. fliege ich.
30 Sekunden lang. Pures Glück und Adrenalin strömt durch meine Adern.
Ich reiße die Augen weit auf, will alles auf einmal sehen. Der Himmel blauer, die Sonne heller, die Bäume grüner.
Keine Angst mehr, nur dieses unglaubliche Gefühl.
Ich reiße den Mund weit auf, schlucke Luft und lache, lache, lache.
Ich kann fliegen.