Baum

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a sparrow, not a feature

Was tut man in Hamburg?

sparrow | 21. April 2000, 22:37 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Gott, ist dieses Wetter nicht wundervoll? Ich habe die Fenster weitaufgerissen und mich in ein T-Shirt geworfen, das Radio laut aufgedreht und genieße das Sommerfeeling.
Mathias ist gerade unter der Dusche, wir werden gleich aufbrechen, um Ostern im trauten Rüterschen Familienkreis zu verbringen.
Gestern war ein Tag, den man am besten ganz schnell wieder vergißt. Es macht keinen Spaß, zu arbeiten, wenn eine unterschwellige Aggressivität in der Luft liegt und jede Sekunde ein Pulverfaß explodieren könnte. Da es allerdings in drei Wochen das erste Mal war, daß eine unzufriedene Stimmung herrschte, werde ich keine Probleme haben, zu vergessen.

Interessiert es eigentlich jemanden, was ich gerade tue? Ich bin hier. In Hamburg. Jeden Morgen fahre ich mit der U-Bahn von der Habichtstraße zur Mundsburg und wundere mich jeden Morgen aufs Neue über die muffeligen und ungnädigen Gesichter meiner Mitfahrer. Abends fahre ich wieder zurück. Dann wundere ich mich nicht, weil ich zu müde bin, um mich zu wundern.
Ich habe ein süßes kleines Zimmer in einer süßen kleinen Wohnung in Barmbek, mit einer Mitbewohnerin, die bestimmt auch süß wäre, wenn ich sie mal sehen würde. Unsere Kontakte beschränken sich auf kurze Gespräche abends und ein Tschühüß morgens - falls wir uns nicht verpassen. Sie gehört zu den Leuten, die morgens aus dem Bett fallen und mit einem kleinen Umweg über das Bad aus der Tür hetzen.
Ich gehöre zu den Leuten, die abends gegen zehn nach Hause kommen und sich dann unkommunikativ vor den Rechner setzen. Unsere möglichen Treffpunkte sind also begrenzt. Wahrscheinlich ist das gar nicht so schlecht, denn der Raum für Konflikte ist relativ gering, wenn man sich nur vereinzelt zu Gesicht bekommt.

Mathias ist gerade duftend und mit nassen Haaren hereingestürmt. Er hat mein Deo geklaut, ich rieche es bis hier. In Stendal hat er ja immer ein kleines Notfallarsenal an Zahnbürsten, Zahnpasta, Rasierer und Deo, für den Fall, daß er mal unbedingt bei mir übernachten muß. Hier muß er auf meinen Kram ausweichen.
Er drängelt. Ich soll endlich auch unter die Dusche hüpfen und dann endlich meine Sachen packen. Na gut. Ich geh ja schon. Nur keine Hektik.

Ein wunderschönes Osterfest wünsche ich Euch allen.

Hallo Hamburg

sparrow | 18. April 2000, 22:36 | ganz alter Kram | [0] Kommentare



Der Frühling zieht ein. An der Alster blühen die Narzissen, ich weiß es genau, denn ich fahre jeden Morgen mit der U-Bahn daran vorbei. Ansonsten passiert nicht viel. Oder eigentlich zu viel, um es alles auf einmal zu erzählen.
Ich bin glücklich. "Hallo" sagte die freie Wirtschaft und begrüßte mich spontan mit einem 12-Stunden-Arbeitstag. Das Lustige ist, daß es mir nichts mehr ausmacht.
In der ersten Woche bin ich tagtäglich völlig fertig von der U-Bahn ins Bett gefallen, aber jetzt könnte ich ewig so weiter machen. Es macht Spaß. Riesigen Spaß.
Schon jetzt wird mir leicht mulmig, wenn ich daran denke, daß in einem halben Jahr der FH-Alltag mich wieder hat. Ich mag hier nicht weg.
Jetzt aber ruft mein Bett.