Manche Dinge ändern sich nicht. Zufrieden streiche ich über das vergessene Handtuch in meinem Badezimmer und drücke meine Nase hinein.
Oh, was war das für ein herrliches Wochenende. Ein typisches Rebekka-Mathias-Wochenende mit Cola, Süßigkeiten, Pizza, Computer, vielen Zärtlichkeiten und einer zünftigen Wasserschlacht. Bezüglich der Frage: "Wie setze ich mein Badezimmer möglichst gründlich unter Wasser" wende man sich vertrauensvoll an uns. Wir sind wahre Experten. Hier eine kurze Anleitung in sieben Schritten:
- Man suche sich einen charmanten Badepartner.
- Man kippe eine halbe Flasche Badezusatz in eine Badewanne.
- Man lasse ordentlich warmes Wasser drauflaufen.
- Man erzeuge Schaumberge durch heftiges Hin-und-Herbewegen der Wassermassen
- Man falte sich und Badepartner in der Wanne zusammen.
- Man kröne sein Haupt durch ein Schaum-Chapeau
- Man warte einen günstigen Augenblick ab, um den Kaltwasserhahn aufzudrehen und den Badepartner ordentlich abzubrausen.
Das sollte langen.
Beerdigungen finde ich barbarisch. Wenn der Sarg in die Erde hinab gelassen wird, möchte ich schreien und schreien und schreien und nie wieder aufhören. Es kostet mich Mühe, mir klar zu machen, daß es nur ein lebloser Körper ist, der da der Verwesung preisgegeben wird und nicht der Mensch, der mich gehalten und mit mir gesungen hat.
Mir wird schlecht von dem Geruch der Rosen und Lilien. Mochte sie überhaupt Rosen? Und Lilien? Sie mochte Lieder. Am Samstag haben wir gesungen für sie, alle Lieder, die sie uns beibrachte. DAS ist eine schöne Art, jemanden zu verabschieden. Beerdigungen sind es nicht.
Ich werd Dich nicht vergessen, Oma.
Ich hab wenig geschrieben in letzter Zeit. Wenig Diary und auch sonst wenig. Ich mochte nicht schreiben. Es passierte ja nichts. Ich bin von neun bis neun im Büro. Das ist nicht erzählenswert. Meine Seele offenlegen mochte ich auch nicht. Die war nämlich in den letzten paar Wochen äußerst zart besaitet und vertrug keine öffentliche zur Schau Stellung.
Jetzt denke, geht es langsam wieder besser. Ich rufe nicht mehr jede Nacht heulend bei irgendwelchen Leuten an. Ich fühle mich nicht mehr völlig uneins mit meinen Talenten und meinem Ehrgeiz. Irgendwie fügt man sich halt.
Vermutlich gibt es Leute, denen es sehr viel schlechter geht. Mit Sicherheit gibt es die.
Ich vermisse realen, intensiven Austausch mit Menschen, die mir wichtig sind. Ich vermisse meine Sindyline. Ich vermisse auf keinen Fall Stendal. Der Gedanke, in dieses Provinzkaff zurück zu müssen, macht mich krank. Ich will da nicht mehr hin. Ich will diese Kleinstädter nicht mehr sehen, die es als Höhepunkt ihrer Karriere betrachten, wenn Papa ihnen einen Job hinterm Schreibtisch besorgt. (Gibt übrigens auch Kleinstädter in der Großstadt, keine Frage) Ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht, ich will nicht.
Zum Glück ist es ja nicht mehr für lange. Das ist der einzige Trost.
3 Tage noch, so sah ich gerade eben. 3 Tage bis die beiden Vorletzten aus der Fernseh WG gekrochen kommen, während der Letzte mit stolzgeschwellter Brust 250.000 DM (soviel waren es doch, oder?) in Empfang nimmt. Ich sage der Letzte und nicht die Letzte sehr bewusst, denn ich habe spontane "Jürgen, Jürgen" - Chöre auf den Landungsbrücken miterlebt. Jürgen, die rheinische Frohnatur wird also das ganze Geld absahnen, während sich der eigenbrötlerische John und die stets vernünftige Andrea die Gage von Verona Feldbusch teilen - wenn sie ihr Versprechen denn wahr macht.
Wer außer mir noch froh ist, dass der Spuk vorbei ist, hebe bitte jetzt den Finger.
Aber sein wir doch mal ehrlich: Seit unser Lieblingszicke Manu das Feld räumen musste, macht es doch nur halb soviel Spaß. Wo kommen wir denn dahin, wenn man niemand mehr richtig hassen kann, keiner mehr einen ordentlichen Streit vom Zaun bricht, man keinen geheimen Lästereien lauschen kann. Alles ist heititeiti fröhlich, freundlich und furchtbar langweilig.
Noch nicht mal die Ausgeschiedenen führen ihre interessanten kleinen Machtkämpfchen weiter. Alle haben sich lieb und auch im Haus wunderbar verstanden. Ja, doch wirklich. Und Kontakt haben sie immer noch.
Selbst die Trennung von Alex und Kerstin wurde in "beiderseitigem Einvernehmen" durchgeführt und Freunde sind sie auch.
Statt dessen triezt uns aber nun auch Alex mit seiner ersten eigenen Platte. Kein Erbarmen für die armen Radiohörer.
Muß das denn wirklich sein? Hat nicht Zlatko schon hinreichend bewiesen, dass auch mit Medienpräsenz ein Proll nichts anderes bleibt als, tja.. ein Proll halt.
Das einzig Interessante an seinem "Ich vermiss Dich wie die Hölle" ist die doch müßige Überlegung, wie sehr er die Hölle eigentlich vermisst und wann auch er beginnen wird, Freundschaftsbänder um sämtliche Extremitäten zu schlingen.
Zum Glück ist ja auf einen Verlaß. Der Theaterterrorist Christof Schlingensief hat sich der Thematik angenommen. Nachdem sein versuchter Weltrekord bezüglich der Entleerung des Wolfgangsees daneben gegangen ist, nimmt er sich nun der vielversprechenden Big-Brother Thematik an.
Er wird nämlich im Rahmen der Wiener Festtage Asylanten in einem Container einsperren, per Videokamera überwachen lassen und pro Tag nach Popularitätsvotum einen abschieben lassen. Na, ob das die Einschaltquoten in die Höhe treibt?
Wenigstens können wir immer noch singen: "Leb.. so, wie Du Dich fühlst.."
Magicmirror, 2000
Meine Freunde sind die falschen. Ich weiß es genau. Sicher, sie sind nett und höflich. Einige sogar gutaussehend, all das täuscht aber nicht das sie falsch sind. Falsch für mich und falsch für den von mir angestrebten Lebensstandard.
Vor kurzem bin ich umgezogen. Voll Vertrauen in meine Freunde habe ich mich auf eine Umzugskiste gesetzt und Bilder von ihnen angeguckt. Bereit, total überrascht aufzugucken, wenn sie endlich um die Ecke kämen mit einer Tüte Chips in der Hand. Allein, wer mich schmählich im Stich ließ waren meine sogenannten Freunde.
Nach zwei Tagen beschloss ich dann, dass das Warten keinen Sinn hätte und machte mich auf die Suche nach neuen Freunden. Echten. Denen man Küsschen geben kann oder zwei oder drei.
Bald wurde ich fündig. Freudig begann ich Deodorants mit mir herumzutragen, um sie im geeigneten Augenblick zu zücken.
Auch hatte ich mir beim Sperrmüll ein entzückendes Sofa besorgt und eine Dose plus Kerze um all abendlich auf die Flut zu warten.
Leider Gottes jedoch fand ich nur all zu bald heraus, dass die Wahl meiner neuen Freunde nicht all zu weise gewesen war. Sie brachten mir keine Mohnbrötchen, die ich verschmähen konnte wegen meines Zahnes, noch hatten sie in dem Fall die passende Zahnmedizin dabei. Und was noch viel wichtiger war, sie haben nie, nicht ein einziges Mal meine Hände in Palmolive getaucht!
Wenn das keine erdrückende Beweislast ist.
Wahrscheinlich bin ich einfach dazu bestimmt falsche Freunde zu finden. Es kann ja auch gar nicht anders sein, denn ich habe auch falsche Eltern. Kinderschokoladenlos wuchs ich auf, ohne die vitaminreiche Nahrung von Erasco und Nimm2. Nie bekam ich von meinem Großvater Werthers Echte.
Kein Wunder, dass aus mir nichts geworden ist.
Magicmirror, 2000
Heute abend an der Ampel: Drei alte Damen in feinen beigen, aprikot und hellgrauen Kostümchen. Die eine: "Ich habe schlecht gesessen." Darauf strich sich die zweite über den Popo und sagte: "Ich auch". Die dritte mit stolzgeschwängerter Stimme: "Ich nicht."
Während ich noch krampfhaft überlegte, was wohl "schlecht gesessen" heißen möge, fügte sie hinzu: "Bei mir wird nie was kraus."
Ah.. Es ging um Knitterfalten in den Jacken der feinen Kostümchen. Weil die Ampel recht lange rot blieb, hatte Dame Nr.3 hinreichend Zeit, über richtiges und falsches Sitzen zu philosophieren und dann auch abschließend vorzuführen, wie man es ordentlich machte. Das war der Moment, wo ich einen Seitenblick riskierte. Die Dame hing mit ausgestrecktem Hintern da, wie ein Anfänger auf Skiern, hielt mit beiden Händen die Jacke eng an die Oberschenkel gepreßt und strahlte mich aus tausend kleinen Lachfältchen an. Ich strahlte zurück.
Das gehört mit zu den Sachen, die ich an Hamburg sehr mag. Über die Leute, die ich abends auf meinem Weg nach Hause treffe, könnte ich ganze Bücher schreiben.
Apropos: Zuhause.. wo ist das eigentlich? Wenn ich über längere Zeit "nach Hause fahre" meine ich immer Unna. Wenn ich von Unna aus nach Stendal fahre, sage ich auch, daß ich "nach Hause fahre". Und wenn ich abends mit der U-Bahn fahre und an der Habichtstraße aussteige, dann komme ich auch nach Hause.
Bin ich jetzt gesegnet oder wurzellos? Solange der Fliederbaum vor meinem Fenster so zauberhaft duftet, ist mir das gleich.
Freitag war spaßig. Daniela hatte mich eingeladen, mit ihr und ihren Freunden zu grillen.
Ich mag Daniela. Manche Leute mit Sicherheit nicht. Großstadtzicke, könnte man sagen. Oder Schickimickitussi. Daniela hat nämlich diverse gravierende Fehler. Erstens ist sie ausgesprochen attraktiv. Sie pflegt sich und zieht sich mit Genuß gut an. Zweitens ist sie intelligent. Drittens weiß sie, was sie will und nimmt kein Blatt vor den Mund. Viertens ist sie kreativ, witzig und gebildet. Und dann ist sie auch noch NETT. Wo käme man denn dahin, wenn alle so wären?
Welch ein Glück, daß mich "Leute" schon seit längerer Zeit nicht interessieren. Ich mag Menschen, aber "Leute" finde ich abstoßend. Der Reim auf "Meute" ist mit Sicherheit kein Zufall.
Gerade habe ich Rabea am Telefon. Sie wollte wissen, wie man Attachments verschickt und sprach immer sehr energisch von Tonline. Ich brauchte eine Weile, bis ich das mit einem hysterischen Kicheranfall quittierte.
Momentan singe ich aber "Ihre Verbindung wird gehalten..Ihre Verbindung...". Manchmal bin ich sehr glücklich, daß ich kein ISDN habe. Wenn bei mir drei Stunden lang besetzt ist, dann ist halt drei Stunden besetzt.
Rabea feuert derweil den PC an, der abstürzte und jetzt einen Scandisk durchführt... Ihre Dialoge mit dem Computer sind wirklich absolut hörspielreif. Ich möchte immer mitschreiben.
Da fällt mir noch folgende wunderbare Begebenheit aus dem Skiurlaub ein, dem ich ja nicht beiwohnen konnte.
Monopoly. Rabea dreht aus Versehen ihre Straßenkarten um. Der kleine Wicht, mit dem sie spielten: "Boah, Rabea. Hast Du schon Hypothesen?"
Anna, sich vor Lachen windend: "Oh.. weißt Du nicht, was Hypothesen sind? Hypothesen sind, wenn man kein Bein mehr hat."
Soviel zum Thema ChaosAnna und die Vorzüge einer gymniasalen Schulbildung.
Ich kann mich eine gewissen Schadenfreude nicht verwehrend. Unneraner wissen warum. :o)