Irgend ein Wahnsinniger hat über die Feiertage klammheimlich ein Klavier angeschafft und spielt jetzt mit Hingabe, aber ohne Können oder Talent. Alle meine Entchen. Oh when the Saints. Ode an die Freude (die ersten beiden Takte). Wieder Oh when the Saints.
Ich liege in meinem Bettchen und habe Mordlust in den schlafverklebten Augen. Gleich werde ich aufstehen und Kaminholz aus dem Drecksding machen. Verehrte Zuhörer, die musikalische Darbietung wird aufgrund aktuter nachbarlicher Äxte unterbrochen.
Der andere Schatz lehnt sich gemütlich auf die Seite und bemerkt: "Prinzessin, es scheint als würde jemand auf Deiner Erbse klimpern."
No Shit, Sherlock. Dieses Anfängergeklimper treibt mich in den Wahnsinn.
Auf der anderen Seite hat man wohl noch Glück gehabt. Es hätte auch ein Schlagzeug sein können, oder schlimmer noch: Eine Trompete.
Für Blogs hier eher selten, aber in diesem Fall unabdingbar.
Die Nachtschwester: Selten soviele merkenswerte Dinge auf einen Fleck gelesen.
Niemand hat das Recht, mich mit Reimdichoderichfressdich-Xavier zu beschallen, bloss weil ich auf die Schnelle bei H&M eine Handvoll weißer T-Shirts kaufen will.
Nur ein Ausschnitt, auch nicht der repräsentativste, aber der, den ich auf jeden Fall in Unterhaltungen unterbringen kann.
Spontan zu den Favouriten zugefügt, wo noch nicht mal ein eigener Ordner für Blogs existiert.
Weihnachten ist Mästfest. Wer es am besten tut, hat gewonnen und darf im nächsten Jahr wieder ausrichten.
Wir haben uns redliche Mühe gegeben:
- Heiligabend:
Lende mit Sauerkraut, Weißbrot und Bockwürstchen mit Kartoffelsalat - alle Traditionalisten bedient.
Die Grüße der westfälischen Metzgerei nehme ich huldvoll an. Die Herrschaften waren etwas überrascht darüber, dass ihre Bockwürstchen jetzt Exportgut waren.
Der andere Schatz erhielt vor dem Festtag mindestens fünf Anrufe folgender Art:
"Soll ich irgendwas machen? Schon vorbereiten? Die Lende zum Beispiel?"
"Nein, nein. Das mache ich schon. Kein Problem."
"Wirklich? Das wäre aber überhaupt kein Umstand. Ich könnte die Lende einfrieren..."
----
"Hast Du die Lende schon gemacht? Wenn Du keine Zeit hast könnte ich ja..."
"Nein, nein. Kein Problem. Das mache ich schon."
"Bist Du sicher? Ich könnte Euch doch helfen."
----
"Wie sieht es denn jetzt aus mit der Lende? Soll ich die schon vorbereiten und mitbringen?"
Irgendwann war der Widerstand erschöpft und auch die Lende wurde aus dem Sachsenland eingeflogen. Und wenn man schon die Lende mitbrachte, konnte auch Weißbrot und Sauerkraut gleich mitkommen. Ist kein Problem, mache ich gern.
- 1. Feiertag:
Stollen und Zupfkuchen (importiert aus Sachsen - wir selbst hatten an Plätzchen und Süßkram gespart und nur drei Tüten gekauft.)
Gambas in Knoblauchöl
Nasello al Forno mit Salat
Mein persönliches Highlight war ein Mitglied meiner Familie, welches sich gegen halb drei erwartungsvoll an den Tisch setzte und nach dem versprochenen Essen fragte. Man habe extra nur wenig zu Mittag gegessen, weil es geheißen habe, hier gäbe es etwas. Wo denn nun das Etwas sei. Der Papa habe nur ein dünnes Süppchen zu sich genommen in Erwartung der aufgetischten Köstlichkeiten. Wo die denn nun wären? Es hätte ja geheißen, wir würden so viel zu essen machen. Darum hätte man zu Mittag ja nur ein winziges Gericht bestellt, um all die erwarteten Leckereien würdigen zu können. Und jetzt würde nichts auf dem Tisch stehen.
Diese Person war dann offensichtlich so ausgehungert, dass sie beim Zupfkuchen zuschlagen musste. Für das mehrgängige Abendessen blieb kein Platz - höchstens noch ein Löffelchen Salat, bitte.
Hätte ich mir das geleistet, wäre ich enterbt und des Landes verwiesen worden.
Die Käseplatte durften wir nicht mehr servieren, da winkten diverse Leute hektisch ab und verdrehten leicht die Augen.
- 2. Feiertag:
bayrischer Schweinebraten mit Knödeln und Rotkraut - auch bekannt als der Todesstoß.
Jetzt weilen in unseren Gefilden mindestens 5 Stollen - ich bin sicher, dass ich noch nicht alle entdeckt habe, die irgendwo versteckt wurden. Ferner haben wir mindestens 25 Würstchen übrig, ein Kilo ungebratenen Schweinebraten, Material für eine exquisite Käseplatte, zwei Vienetta-Schachteln, eine ganze Schüssel Kartoffelsalat, eine riesige Schüssel mit Ruccolasalat und zweieinhalb Tüten mit Plätzchen und Süßkram. Die selbstgebackenen Kekse und Makronen sind dankenswerterweise deutlich dezimiert.
Learnings:
- Beim nächsten Mal Taschenkontrolle am Eingang. Wer nicht autorisierte Lebensmittel mit sich führt, muss diese vor Einreise entsorgen. Eventuell könnten sich bereits Mitarbeiter der Münchner Tafel neben der Tür platzieren.
- wenn mehr als acht Personen auf 123 qm weilen auf keinen Fall Gerichte wählen, die mehr als vier Knoblauchknollen benötigen.
- für neun Leute Lebensmittel in den Einkaufswagen legen und dann die Hälfte wieder ins Regal räumen.
- Bei Arens wird wieder Wein bestellt. Mir schmeckte der Ro-Secco und das fröhliche Sonnentröpfchen am besten.
- Entspannt und gelassen die Weihnachtswelle über sich hinwegschwappen lassen und nächstes Jahr in den Süden fahren. Wer braucht schon einen Weihnachtsbaum?
Der Freund der Kollegin sorgte dafür, dass mit mannigfaltigen Weinkartons jetzt das Ende der Weihnachtszeit eingeläutet werde kann. Wein und Weihnacht passt ja semantisch auch ausgezeichnet zusammen.
Uff.
Man muss ins Bett. Jetzt. Sofort. Hick. Wo ist der Submit-Bkutton.
Sternschnuppen gehen so schnell vorbei, dass man keine Zeit hat, die Wunschliste nach Prioritäten zu organisieren. Der Wunsch muss direkt vom Herz zur Zunge, ohne Umweg über das Hirn.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
Bitte keine weihnachtliche romantische Komödie.
PS: Auch keinen Tim Allen. Und keine romantische weihnachtliche Komödie. Wenn möglich.
Manchmal, wenn ich in der S-Bahn von Unterhaching nach München oder von München nach Unterhaching sitze und mein Buch vergessen habe, denke ich mir für die Menschen, die ich sehe, Geschichten aus.
Zum Beispiel der Mann mit den blonden Flusen auf dem Kopf, der jeden Morgen bei Heye aussteigt und das Mädel mit den langen blonden Haaren toll findet, sich aber nicht traut, sie an zu sprechen, weil sie bei Wrigleys arbeitet und denken könnte, er sei nur auf einen Vorteil beim Pitch aus.
Oder der Typ, der sein Größendefizit durch eine besonders laute Stimme kompensieren muss, eigentlich aber ganz nett ist. Er achtet auf seine Figur, denn er trägt jeden Morgen einen mit Joghurt garnierten Tengelmann Salatmix mit sich. Bei der Größe muss man auch aufpassen, dass man nicht zur Dirk-Bach-Kugel wird.
Oder die Oma, die bestimmt auf dem Weg zu ihren Enkeln ist und in dem Körbchen lauter gute Sachen aus dem Schrebergarten mit sich trägt, weil die Schwiegertochter es nicht schafft, die Enkel vernünftig zu ernähren.
Oder die Frau, die ihre Hennahaarfarbe im Biomarkt einkauft, aber heimlich beim McDonalds isst, wenn sie einen Kater hat.
Oder der Mann, der jeden Morgen einen Kater hat.
Oder das dunkelhaarige wunderschöne Mädchen, die Heimweh hat und deshalb spanische Romane liest, um sich ein bisschen zuhause zu fühlen.
Oder der junge Mann, um die zwanzig, der am Ostbahnhof eine gelbe Rose mit sich trug, um sich für ein Blinddate erkennbar zu machen. Das Mädel, welches drei Schritte vor ihm und drei Schritte neben ihm stand, also insgesamt neun Schritte entfernt, trug ebenfalls eine gelbe Rose. Offensichtlich waren beide unterwegs, um sich am Stachus mit der gelben Rose bewaffnet zu treffen. Sie hatten sich im Internet kennengelernt, bei den Lokalisten oder in einem Chat. Sie mochten sich. Sie freuten sich auf ihr Date. Sie würden die Nacht miteinander verbringen, miteinander frühstücken, in zwei Monaten zusammen ziehen und in drei Monaten das erste Kind zeugen.
Meine Fantasie lief auch Hochtouren, bis ich in der S-Bahn jeden zweiten Menschen mit einer gelben Rose sah. Eine Orgie! Offensichtlich!
Obwohl - mit Kabel Deutschland Marketing Flyern?
Mist. Schon wieder ein junges, keimendes Glück zerstört, nur weil Kabel Deutschland meint, sie müssten großflächlich gelbe Rosen über München streuen.
Heute morgen im Radio Whams "Last Christmas" zum ersten Mal in diesem Jahr.
Die nächsten 19 Tage wird uns George Michaels schnulziges Geschluchze morgens, abends und mittags begleiten, sich als Ohrwurm festsetzen und aus jedem öffentlichen Lautsprecher tönen, wenn die Jungs von Jingle Bells grad mal fünf Minuten Pause machen. Nach 19 Tagen wird uns das Blut aus den Ohren strömen, wenn wir uns auf dem Boden wälzen und leise vor uns hinwimmern - Dadadaaaadadadaaa.
Now I know, what a fool I've been. Ich hab mich heute morgen ehrlich gefreut.
Die Familie vom anderen Schatz schenkt klein, aber lieb. Meine Familie schenkt gern und mit Begeisterung und gibt auch gern viel Geld aus, aber auch lieb.
Das müssen wir der jeweils anderen Partei noch mitteilen, damit es Heiligabend keine Irritationen gibt. Wir haben beschlossen, dass die Familien sich gegenseitig nichts schenken sollen.
Meiner Informationspflicht habe ich mit diesem Posting Genüge getan. Über Geschenke können wir dennoch reden.
Das schlimmste Geschenk jemals für mich war ein Paket, welches nach dem offiziellen Ende einer Beziehung ankam, aber noch in der Endphase verpackt und versand wurde. Das saß tagelang in einer Ecke und blinzelte mich blöde an. Drin war ein selten dämliches und lieblos zusammengefriemeltes Gedicht und eine entzückende Suppenterrine im Maßstab 1:12. Das habe ich aber erst erfahren, als ich es nach 10 Tagen Starren von beiden Seiten (ich das Paket, das Paket mich) geöffnet habe.
Die befremdlichste Geschenkserie jemals für mich waren 4 Spiegel und 6 Seifen. Von verschiedenen Leuten. Ein Spiegel war sogar mit batteriebetriebenem Licht besehen. Ich verstehe es bis heute nicht. Ich war nicht ungepflegt oder ungewaschen. Wieso dachten insgesamt zehn Leute, dass Seifen und Spiegel mir gut tun würden? Außerdem gab es drei Armbänder, die mit einander um den Preis des hässlichsten Armschmucks konkurrierten. Sehr befremdlich.
An dem schlimmsten Geschenkaustausch war ich nur mittelbar beteiligt und zwar als Nutznießer. Die Schwester hatte sich Handtücher gewünscht, aber vergessen zu erwähnen, dass sie jene beim Sport zu nutzen gedachte. Die Mutter hatte darauf hin nächtelang in liebevoller Kleinarbeit eine Reihe von Handtüchern umhäkelt. Das quittierte die Schwester mit einer knallenden Tür und Weinen.
Das Handtuch habe ich immer noch.
Das schönste Geschenk jemals war eine Karte zu Starlight Express, als ich 12 oder so war. Meine erste große Musicalproduktion. Bei der Overtüre traten mir die Tränen in die Augen, weil einfach wenige Momente so groß sind, wie wenn ein Haufen von Menschen mit Fahnen und Rollschuhen auf einer Bühne herumfahren und dazu Andrew Lloyd Webber aufgespielt wird.
Die großartigste Geschenkverteilung, nach wie vor ungeschlagen, war als der Opa Rätsel verteilte, bevor ausgepackt werden durfte. Die Eltern erhielten Zuckerstückchen (Kaffeeservice), die Schwester Holzrädchen (eine Eisenbahn), ich einen mit roter Folie umwickelten Stab (der langersehnte Zauberkasten).
Die Tradition haben wir letztes Jahr wieder aufleben lassen. Rätselgeschenke sind ganz großes Kino.
Die liebste Geschenktradition ist mit der Oma, die mit dem zu Beschenkenden einkaufen geht und danach zu Kaffee und Kuchen in einer Konditorei einlädt.
Geschenke kriegen ist toll. Geschenke machen ist noch viel toller.