Die Freuden, in einem weltweit agierenden Unternehmen zu arbeiten, äußern sich manchmal in winzigkleinen Gesprächsbruchstücken:
Herr P.: "Was heißt treulose Tomate auf englisch?"
Herr F.: "Faithless tomato"
Ich könnte hier schon wieder anhaltend kotzen und mich unterbrochen aufregen und mit schriller Stimme über alles beklagen. Bis auf die Wiedergabe der Körpersäfte tue ich das auch.
Der andere Schatz und ich haben beschlossen, unser ungeregeltes Leben in geordnete Bahnen zu bringen und demnächst die Steuererklärung zusammen zu machen - will heißen: Eheschließung.
Das Münchener Standesamt ist ein häßlicher Bau aus den siebzigern mit vergilbten Böden, wo man eigentlich nie hin will und schon mal gar nicht, um sich trauen zu lassen. In Unna hingegen liegt das Standesamt an einer niedlichen kopfsteingepflasterten Straße und hat Blumenkästen in den Fenstern. Unna sollte es also sein.
Die Unneraner - schlechtgelaunte Westfalen par excellence - weigerten sich, mit uns zu reden, solange wir beim zuständigen Standesamt in München nicht die Existenzberechtigungsscheine abgegeben und im Tausch die Ehebefähigungsbescheinigung erhalten hätten. Die sollten wir dann zusenden und dann könnte man einen Termin machen.
Existenzberechtigungsscheine, Abstammungsurkunden und beglaubigte Abschriften aus dem Familienbuch bekommt man beim Standesamt des Wohnortes der Eltern (in meinem Fall Unna). Alle Dokumente wurden eingesammelt und man marschierte in München auf, legte den Papierstapel vor, drückte Geld ab und ließ den gesammelten "Fall" nach Unna schicken. Die würden dann mit uns einen Termin ausmachen.
Unna meldete sich brav und gab bekannt, dass ein Samstagstermin nur in Ausnahmefällen möglich sei: Geburtstage, Schnapszahlen, Hochzeitstag der Eltern, ähnlicher Unfug.
Mir persönlich ist das Datum völlig egal. Hauptsache, es können die Leute kommen, die ich gern dabei hätte. Damit sind alle Wochentage außerhalb der Ferien schon mal raus. Ich will einen Samstag.
Gestern und heute wurde hektisch telefoniert, um die Verfügbarkeit von Eltern und Trauzeugen zu prüfen. Ein Termin wurde verworfen, ein anderer wäre möglich. Also, wieder angerufen, um zu finalisieren.
JETZT wird uns erklärt, dass die Samstags-nur-an-Schnapstagen-Regel durchaus Bestand hat und auch weitere samstägliche Termine nicht erkauft oder erbettelt werden können - und schon mal gar nicht für Menschen, die in Unna keinen Wohnsitz (mehr) haben. Entweder Dienstag um acht oder gar nicht.
Kurzer Hinweise vorher wäre nicht möglich gewesen, oder? Nein, da hätte man sich ja um jede Menge Spaß gebracht.
Argh.
UPDATE: Unna ist raus. Jetzt halt woanders.
Samstag habe ich meine Winterschuhe in die Altkleidersammlung gegeben. Heute schneit es.
Mir scheint, jemand amüsiert sich königlich auf meine Kosten.
Ich sehe mich selbst als landläufigen Schöngeist. Ich mag Theater, schätze eine gute Bücher, tanze und schaue gern ästhetische Körperbewegung an. Angenehme leise Stimmen, ansprechende Diskussionen, ect. pp.
Häufig Manchmal schätze ich auch Trash-TV.
Unfeine, stillose Leute nerven mich, genauso wie populistisches Gebrüll. Wenn sich Leute im Kino hauen, mache ich die Augen zu.
Es möge mich bitte keiner fragen, wie ich an Karten für das "Jahrhundertevent" Maske vs Hill komme. Keiner.
Ich gehe hin.
Ich bin so müde. So müde. So
Müde. Und ich kann nicht richtig schlafen.
Die letzten zwei Tage habe ich immer mal wieder Photos bearbeitet und Motive freigestellt - so eine feine Arbeit. Bezahlt da eigentlich niemand für? Das könnte ich problemlos den ganzen Tag machen. Ein Photo nach dem anderen. Photo. Magnetisches Lasso. Photo. Magnetisches Lasso. Photo. Weiche Auswahlkante. Magnetisches Lasso. Schatten faken. Hypnotisch, meditativ, gut.
Bett, jetzt.
Wenn die Nase zusitzt, kann man nicht schlafen. Da kann man sich nur noch k.o. schlagen lassen.
*jammer*
Man kann durch Drachenmalen die Welt drei Meter erträglicher gestalten.
Alternativ hätte ich auch eine tropfende Nase malen können. Die hätte aber nur halb soviel Spaß gemacht.
Zum ersten Mal, seit wir zusammen wohnen, sieht mein Schreibtisch besser aus als seiner. Alles ist abgeheftet, einsortiert, abgestaubt und gesäubert worden.
Noch bis vor Kurzem wohnten hier Telefonrechnungen, Schmierzettel, kleine grüne Notizen, Versicherungspolicen und Verdienstabrechnungen lustig bei-, über- und untereinander.
Jetzt ist Leere.
Hm. Auch komisch, irgendwie.